Clockwork Audio

oder: wieso das denn?

und: da könnte ich mich in die Nesseln setzen, normaler Weise...

...doch beginnen wir Punkt um Punkt. Zuerst was Grundsätzliches. Was ist "Geschäftsschädigung"? Im Grunde, wenn jemand über einen Betrieb Lügen verbreitet, durch die ein finanzieller Schaden eintreten könnte. Jedoch selbst Wahrheiten, die der Betrieb nicht veröffentlicht sehen will, doch deren Kenntnis für die Kunden auch weder essentiell wichtig sind, noch rein neutral oder positiv "informativ", können bei Gericht als geschäftsschädigend gewertet werden. Weniger, wenn Sie von der Presse oder von Privatleuten stammen, mehr wenn sie von anderen Gewerbetreibenden kommen und ganz besonders, wenn diese "Mitbewerber" sind, also im Grunde das gleiche Geschäftsfeld beackern.

Clockwork und uns könnte man durchaus als Mitbewerber ansehen, wobei dort die Homepage nur noch aus einer verwaisten Startseite besteht und es für mich nicht aussieht, als sei offiziell noch ein Gewerbe angemeldet. Also wieso etwas wirklich negatives schreiben über die Kollegen, die könnten einen ja verklagen? Nun, es geht leider um Leben und Tod und ich finde, da überwiegt das Interesse der Allgemeinheit und vor allem sämtlicher betroffener Kunden einfach. Denn was bisher ALLE Clockwork-modifizierten Geräte, die zu uns kamen, verbindet ist:

Schlimmer Pfusch im Sinne der VDE-Vorschriften

Das erste auffällig modifizierte Gerät aus dieser Schmiede war für uns ein Mission Cyrus mit PSX samt einem CD-Spieler. Die Umbauten hatten wesentliche Teile entfernt. Am PSX war das Netzkabel dauerhaft angebracht worden, ich schreibe extra nicht "fest", denn es handelte sich eher um einen "fliegenden Aufbau" ohne regelrechte Zugentlastung: Man hatte die schwarzen und blauen Kupferdraht-Innenleiter eines (starren) Installations-Volldrahtkabels (NYM) verdrillt in einem Netzstecker angebracht, sie an Stelle des heraus geschmolzenen Schutzleiter Pins durch den Einbau-Kaltgerätestecker gebohrtes Loch ins Gerät gezogen.

Netzzuleitung durch Bohrloch im Kaltgerätestecker

Das Ganze war dann ohne weitere Absicherung direkt am Netzschalter angeschlossen (der 500VA-Trafo ist normalerweise mit 5A träge am  Kaltgerätestecker abgesichert).

Volldraht-Netzzuleitung ohne Schutzleiter und Mantel

Nach VDE ist all das aus Sicherheitsgründen nicht zulässig, ein (bewegliches) Geräte-Netzkabel braucht eine zweifache Isolierung, jeder Leiter für sich und eine gemeinsame Schutzhülle. Volldraht ist überhaupt nicht erlaubt, weil er bei mehrfacher Bewegung brechen kann. Die Betriebszulassung des PSX war durch Umgehung der Gerätesicherung sowie Weglassen der Zugentlastung ohnehin verfallen. Den am Metallgehäuse in der ursprünglichen Bauart zwingend anzuschließenden Schutzleiter überhaupt nicht mal mehr vorzusehen, war ein weiterer, potentiell tödlicher Eingriff.

Dieselbe Art Änderung fand sich auch beim Vollverstärker selbst, auch hier 2-poliger Volldraht ohne zweite Isolierung, auch hier kein Schutzleiter angeschlossen in einem Schutzklasse-1-Gerät.

Zuleitung im Cyrus Two durch Bohrloch ohne Zugentlastung

Das war die erste Begegnung mit den lebensgefährlichen Eingriffen durch Clockwork, ist ein paar Jahre her, seitdem ist man den Modifikationen wiederholt begegnet. Der vorletzte Vorfall war telefonisch, ein Anrufer wollte ein Clockwork-modifiziertes Gerät kaufen und hatte es schon da, ein Cyrus-Gerät der 3er-Serie, aber es war offensichtlich fehlerhaft - das kommt vor. Nur wollte er von uns wissen, wie er mit der Absicherung umgehen sollte, da würde was fehlen. Auch hier waren die Sicherungen komplett umgangen, wir haben ihm zur Rückgabe geraten und er solle warnen wegen möglicher Lebensgefahr.

Und der vorläufig letzte Fall hier, Auslöser für diesen Artikel, war weniger drastisch, da hätten die Modifikationen nur zur umfassenden Zerstörung des Geräts, maximal zum Hausbrand führen, vielleicht noch einem unbedarften Laien bei geöffnetem Gehäuse einen Schlag verpassen können: ein Symphonic Line RG14. Die Geräte aus Duisburg sind ja ganz normal abgesichert, wo die Technik das fordert. Normalerweise. Hier klebte wieder ein Clockwork-C auf der Front und ein Blick durch die oberen Gehäuse-Schlitze zeigte bereits: keine Endstufen-Sicherungen, die Halterungen waren entfernt. Durch die Bodenschlitze sah man: die Halter waren mit blankem Draht quer zu den nur durch Lötstopp-Lack geschützten Ausgangs-Leiterbahnen überbrückt. Bereits eine solche Querung ohne zusätzliche Isolierung ist an dieser Stelle extrem fahrlässig und Kurzschluss-riskant.

Fehlende Sicherungen/Sicherungshalter und gepolte Elkos statt bipolarer

Mit offenem Deckel sah man dann: innen am Netzschalter war ein wohl eher esoterisch wirkendes Stück Draht mit Umhüllung frei angelötet, nachdem man den sichernden Schrumpfschlauch entfernt hatte - der ist da normalerweise nicht ohne Grund, verhindert beim Bearbeiten genauso das Berühren hoher Spannung, wie auch das Abrutschen von Drähten unter Netzspannung ans Gehäuse, falls die Verlötung abbricht - jetzt war das alles blank, aber immerhin nur die zweite Verteidigungslinie lahm gelegt.

die Schrumpfschlauch-Schutz-Isolierung wurde für die Anbringung dieses Drahts dauerhaft entfernt

Die überbrückten Endstufen-Sicherungen sind gefährlicher, zumindest was die Eintritts-Wahrscheinlichkeit eines massiven Schadens angeht. Die Änderung würde nämlich zwei bekannte Fehlerbilder total eskalieren lassen: gerade bei MK4-Geräten fällt manchmal die Endstufe durch thermischen Verschleiß der Kleinsignal-Transistoren aus (das Endstufen-Board war aus dieser Generation, manche der kleinen Transistoren waren hier auch bereits mal gewechselt). Wenn die Endstufe dabei nach Plus oder Minus "ausbricht"  und versagt dabei noch zufällig das Ausgangsrelais und trennt die Gleichspannung nicht wie vorgesehen, wird es ohne Sicherungen zuerst mal für den Lautsprecher brenzlig. Der andere Auslöser kann ein durch Alterung versagender Piher-Trimmer sein, der den Ruhestrom bei schleichendem Schleifer-Kontaktverlust bis auf "Unendlich" erhöhen würde. Dieser Trimmer muss bei RG9/10/11 wo angetroffen IMMER gegen etwas Zuverlässigeres erneuert werden, doch das war unterblieben. Auch hier würde bei ausgeprägtem Eintritt des Fehlers normaler Weise die Sicherung auslösen und den Spuk beenden - nach deren Entfernung würde dagegen weiter geheizt bis zur totalen Zerstörung. Gesetzt den Fall, es fließt durch einen der genannten Auslöser noch gerade nicht genug Strom, um die 5A-Primärsicherung im Kaltgerätestecker auszulösen, dann kann der Trafo (ca. 500VA Nennwert) seine komplette Überlast-Leistung im Gerät und/oder im Lautsprecher in Wärme umsetzen und einen Brand entfachen. Schlimmstenfalls.

blanke Kupferbrücken statt Sicherungen


Ein kleinerer, aber ebenfalls unsachgemäßer Eingriff zusätzlich: man hatte den Bipolar-Elko im Fußpunkt der Gegenkopplung gegen einen polaren getauscht. Das funktioniert auch - im Normalbetrieb. Im Schadensfall mit Ausbruch zu der einen Betriebsspannung ebenfalls. Bei einem Schaden mit Ausbruch zur anderen Spannung hin wird dagegen der Elko explodieren und seinen leitfähigen Inhalt zusätzlich in das Schadens-Szenario verteilen - und damit alles noch schlimmer machen, wo durch die überbrückten Sicherungen sowieso bereits ungebremste Ströme wüten.

Beim Ausbau dieser Fehlbesetzungen stellte ich auch fest: Clockwork hat getreu seiner Philosophie stets einen Teil der Elko-Dichtung an der Unterseite heraus geschnitten. Das mag ja, selbst wenn ich es persönlich nicht nachvollziehen kann, klangliche Vorteile haben. Nur verkürzt es die ohnehin begrenzte Lebensdauer des Bauteils natürlich nochmals drastisch.

Klangoptimierung durch beschädigte Dichtung

Ob Entdämpfung und Behandlung mit C37-Lack Vorteile bringen, da gehe ich mit Clockwork zumindest insoweit konform, als die elektromechanischen Resonanzen in stark mikrophonischen Systemen tatsächlich eine Ausschlag gebende Rolle spielen könnten und dass sich das mit Erfahrung auch zur Geräte-Feinabstimmung möglicher Weise gut nutzen lässt - bestätigen oder verwerfen würde ich das allerdings nur nach langen eigenen Testreihen. Kann also sein, dass Clockwork Geräte tatsächlich klanglich verbessert. Nur habe ich nie gewagt, eins dieser Geräte ohne wesentliche Rückbauten in Betrieb zu nehmen. Daher kann ich auch nicht wirklich etwas aus eigener Erfahrung dazu sagen, einfach weil bei uns das eigene Überleben solche Aufbauten nicht mal testweise zulässt. Nach demselben Maßstab handeln wir auch für unsere Kunden, der gute Klang ist die Kür, klar, auch das eigentliche Ziel der Bestrebungen bei Hifi/HighEnd. Nur ordnen wir, wie alle seriösen (Handwerks-)Betriebe unter der Leitung eines Ingenieurs oder Meisters aus einem Elektro-Beruf, NIE die Sicherheit unserer Kunden, dessen Leben und Gesundheit "höheren Zielen" - wie klanglichen Aspekten - unter, schon gar nicht systematisch. Für eine (Sicherheits-)technisch und juristisch halbwegs korrekte Einschätzung der hier beschriebenen, eingebauten Mängel muss man übrigens nicht das komplette aktuelle Regelwerk des VDE auswendig kennen, zumal das fast unmöglich ist. Bereits qualifizierte Erfahrung in einem Elektroberuf und ein Mindestmaß an gesundem Menschenverstand schließen Umbauten solcher Art vollständig aus. Überlegen Sie selber: NIE würde ein Hersteller freiwillig Sicherungen einbauen, wenn die nicht auch aus Sicherheitsgründen notwendig wären, denn Teile kosten Geld. 

Zusammenfassung:

Clockwork Audio hat elektrotechnisch, insbesondere was die Geräte-Sicherheit angeht, in vielen Beispielen wenig bis keine Ahnung bewiesen. Die Handelnden dort kommen mir Fach-fremd vor. Die Modifikationen sind offenbar häufig lebensgefährliche Zeitbomben. Bei einem Auto wäre vielleicht der Ausbau der Airbags oder des zweiten Bremskreises vergleichbar.

Der Firma - ob sie nun offiziell noch existiert oder nicht - ist zu raten, die Kundendatei durch zu gehen und die Betroffenen zu informieren, um sie nicht weiter in der Gefahr schweben zu lassen und das eigene Risiko zu minimieren.

Nachtrag:
Die rechtliche Seite

Ich habe den Juristen unserer Handwerkskammer mal angeschrieben, wie es denn eigentlich mit der Haftung bei derart drastisch fahrlässigen bis mutwilligen Eingriffen aussieht, bei denen jemand seine Kunden regelmäßig in andauernde, ihnen aber unbekannte Lebensgefahr bringt.
Die knappe Auskunft unterschied:

  • Im Strafrecht beginnt die Verjährungsfrist erst mit der Vollendung der Tat. Käme also nach einer Verzögerung von Jahren ein ahnungsloser Kunde durch einen von Vornherein lebensgefährlichen Eingriff zu Schaden, dann ist die Tat erst hiermit vollendet und erst jetzt beginnt auch eine mögliche Verjährung.
  • Zivilrechtlich schaut es für den Kunden schlechter aus: hier gilt für Schäden, die mit Verlust von Gesundheit und Leben verbunden sind, eine Verjährungsfrist von 30 Jahren.

Heißt: wenn vor 30 Jahren in einem Gerät der Schutzleiter entfernt wurde und jüngst eine Lötstelle gebrochen ist und das herunter hängende Kabel setzt das Gehäuse unter Spannung, ein Kind fasst das an, erleidet einen Herzstillstand, wird wiederbelebt und bleibt ein schwerst behinderter Pflegefall für 60 Jahre - dann ist beim Täter gerade mal kein Geld mehr zu holen, wohl aber geht er ins Gefängnis.

Insofern tut jede(r) Besitzer(in) eines derart modifizierten Geräts gut daran, wenn sie/er das hier liest, sich zeitnah an den nächsten (gerichtlich bestellten) Gutachter zu wenden. Wenn der bestätigt, dass das Gerät durch die Modifikation gefährlich geworden ist, wäre die Firma Clockwork bzw. deren Verantwortliche unter Umständen auch nach Jahrzehnten noch zu Nachbesserung oder angemessenem Schadenersatz verpflichtet, z.B. für den Rückbau gefährlicher Punkte oder - wo nicht mehr möglich - Ersatzbeschaffung.