Vollverstärker

Revox A78 MK II ca. 1975

Komplett revidiert verkauft für 498,-€

Eigenschaften:

  • Klangregel-Schalter für beide Kanäle immer auf einer Achse - vorne und hinten
  • Phono MM
  • zwei Line-Eingänge (Tuner/AUX), 1x DIN, 1xCinch(RCA)
  • eine Tape-Schleife mit Tape-Record-Umschalter
  • Mikrophon-Eingang
  • 2 Kopfhörer-Ausgänge, 6,3mm Klinke
  • Mode-Schalter
  • 3 Filter-Schalter
  • Gehäuse mit Gebrauchsspuren, Oberseite Furnier einseitig etwas ausgeblichen, an der anderen Seite mehrere deutliche Kratzer. Der Rest des Gehäuses recht gut erhalten, die Front ist in fast perfektem Zustand, Schrift, Schalter und Knöpfe gut erhalten.
  • Vor-Pegel-Steller und Lautsprecher-Schalter unter Frontklappe (oben)

Diesen hübschen MK2 habe ich bei ebay erworben, das Äußere ist am Deckel ein klein wenig ramponiert, die Front ist dafür aber nahezu perfekt erhalten und das Gerät war komplett, sauber und unverbastelt.
Der Deckel ist eher eine Aufgabe für einen guten Möbelschreiner, das Furnier müsste oben kunstfertig überarbeitet werden. Das überlasse ich aber dem Käufer, um hier noch einen akzeptablen Kaufpreis bieten zu können.

Draufsicht nach der Überarbeitung.
Die Module sind jetzt allesamt überarbeitet und neu abgeglichen.

Das Gerät hat mich viele Stunden gekostet, insgesamt war ich damit ca. 2 Tage befasst, da es eigentlich von einem Kunden bestellt war. Der hat sich zunächst telefonisch und per E-Mail gemeldet gehabt und war an meinen A78 der ersten Variante interessiert. Als er erfuhr, das ich auch einen MK2 hatte, wollte er diesen wegen der Optik. Man muß dazu wissen, dass beim MK2 ausschließlich die Dimensionierung der Endstufen verändert ist, es wird mit etwas mehr Betriebsspannung und anderen kleinen Anpassungen gearbeitet, ansonsten sind die beiden Varianten nahezu baugleich. Jedenfalls habe ich den MK2 hergerichtet, alle Module überarbeitet, alles eingestellt und abgeglichen, das Gerät abgehört und war nach wie vor begeistert - sowohl für einen historischen Verstärker in nahezu 100%iger Originalfassung und auch für die Preisklasse finde ich das Gerät überragend - nach meinen recht breit aufgestellten Hör-Kriterien kann ich zwar durchaus Kritikpunkte finden, doch dabei ist nichts, was man in ähnlichem Rahmen wirklich besser lösen könnte.
Allerdings muß ich anmerken: auf preislichen Wunsch des Kunden hatte ich die originalen Netzteil-Becher-Elkos noch im Gerät gelassen, die wiederum sowohl alt als auch lange unbenutzt waren, natürlich ein Minuspunkt.
Dennoch traf mich die Kritik des Kunden "der klingt wie ein Küchenradio", "kein Bass","Congas dünn und blechern" völlig unerwartet.
Was das Gerät verglichen mit einigen moderneren Teilen plötzlich alles nicht könne, hörte sich eher nach einem Transportschaden an, als nach der Beschreibung des kurz vorher hier angehörten A78MK2. Nun kann ich natürlich auch den Rest der dortigen Anlage nicht richtig einschätzen, bei mir lief das Gerät an 2-Wege Bluesline "Beat"-Standlautsprechern, meistens befüttert von meinem Exposure-CD-Spieler oder meinem Candeias-Wandler am Clock-modifizierten Sonos ZP90.

Zunächst habe ich mal meinen MK1 auf die beschrieben Kriterien überprüft, der ging natürlich ganz ähnlich wie der raus geschickte MK2 - aber selbst bei der Rückkehr und dem erneuten Anhören des verrissenen Geräts war mir nicht klar, was der Kunde erstens genau gehört und zweitens sich genau vorgestellt hatte. Dass das Gerät uneingespielt bei seiner ohnehin an beiden Enden begrenzten Bandbreite und mit den noch weich zu spielenden Alt-Elkos im Netzteil keine Erdbeben simulieren kann war mir klar, doch den Einspieleffekt mal abgezogen fand ich ihn auch bei umfassender Prüfung doch recht ausgeglichen - messtechnisch war er über jeden Zweifel erhaben und hängte seinen Werksvorgaben an beiden Enden des Hörbereichs selbst unter Vollast noch wenigstens eine Oktave an.

Dem Kunden habe ich dann vorgeschlagen, doch bitte auf etwas anderes unzuschwenken - nein, er wolle dieses hübsche Gerät, ich solle mal schauen, ob ich das Bemängelte verbessern könne. Also habe ich noch einen Tag Forschungsarbeit dran gehängt - immer mit dem Augenmerk darauf, was der Kunde vermutlich von dem Gerät haben wollen könnte.
Ich habe dabei natürlich einige Punkte gefunden, an denen man den Hebel ansetzen kann - das erste war mal nachzuholen, was ich gleich machen wollte, was aber aus Kostengründen gestrichen worden war: Neue Netzteil-Elkos. In diesem Fall vom allerfeinsten - F&T. Ich bleibe dabei beim Originalwert, habe lieber eine höhere Spannungsfestigkeit verwendet (dabei sind die Becher jetzt sogar dicker, so dass ich das innere Netzkabel etwas anders verlegen musste). Mehr Kapazität wäre zwar gar kein Problem, nicht schädlich, bass-betonter - aber auch gegen den Charakter. Die Ladeströme würden sich ebenfalls verdoppeln, bei dem geringen Innenwiderstand heutiger Elkos sogar noch mehr als das doppelte an weit schärferen Ladestromspitzen produzieren, da ist mir der Originalwert sympatischer.
Das hat schon mal gewaltig eingeschlagen, selbst uneingespielt machte der Verstärker wie erwartet "an beiden Enden auf".
Dann habe ich in Sachen Sauberkeit einen Punkt gefunden, der die Endstufe besser arbeiten lässt: Verbinden der Treiber-Basen mit einem Elko. Das hebelt allerdings auch ein wenig die Strombegernzung aus und wurde als zu weit vom Pfad der Tugend entfernt wieder ausgebaut. Dann hatte ich versuchshalber mal die Stützkapazitäten in der Line-Vorstufe verzehnfacht. Nett, ja, und mag auch richtig sein, die Stützung weit unter dem Hörbereich ansetzen zu lassen - aber als Schaltplanabweichung wieder gestrichen. Dann war es sehr interessant, mal einen anderen VAS-Transistor zu testen, mal einen ganz modernen Toshiba auf das Endstufen-Modul zu setzen. Auch letzlich wieder verworfen...
Geblieben ist letztlich von den ungewöhnlicheren Maßnahmen nur eine: die 220pF-Miller-Kapazität, die in meinen Ohren das Gerät noch mal deutlich "ent-nervt" hat Geschehnisse besser entkoppelt und zumindest im A50-Schaltplan zu finden und auf dem Board auch gebohrt ist. Eine Sache habe ich auch geändert: mir klingt das Gerät mit etwas erhöhtem Ruhestrom angenehmer. Ich bin von 20mA auf 30mA hoch gegangen, davon wird nicht wirklich was warm, aber ich denke man hört es ein wenig und das habe ich dann auch so gelassen um den Effekten der neuen Elko-Technologie einen Gegenpol zu setzen.

Die neuen F&T-Elkos.

Das ganze beschriebene Maßnahmenpaket hatte ich also für den Kunden angewandt - Seine Antwort auf die Anfrage, ob er wenigstens die Material-Mehrkosten nach positivem Test übernehme, war: er wolle jetzt Abstand von dem Gerät nehmen und lieber einen B750 überarbeiten lassen. Meine Antwort: Eher nicht unter diesen Voraussetzungen.
Von dem erarbeiteten Maßnahmenpaket habe ich nach dieser Absage eben die drei Schaltplan-Abweichungen wieder rückgebaut und biete das Gerät, was nach Zeitaufwand inzwischen 900€ kosten müsste, hier als erstes Exemplar an, in das nun ordentlich zusätzliche Erfahrung einfließt. Mein parallel angebotener MK1 wurde in diesen Punkten natürlich "schnell" nachgerüstet, hat aber die kleinere Leistung und nicht ganz so hochwertige Netzteil-Kondensatoren.

Die Endtransistoren unter den Isolier-Abdeckungen sind noch alle die Original RCA-Typen.

Wie klingt er denn nun?

Tatsächlich ist und bleibt der A78(MK2) mein Favorit unter den Revox-Verstärkern. Nachfolgemodelle mögen alle möglichen Einzelheiten besser im Griff haben, doch dieses Gerät ist noch ein Universalist, ein Vermittler zwischen weit mehr Aspekten, als nur Klirrfaktor, Ausgangsleistung und Störspannungsabstand. Er spielt authentisch wie es das nur bei den handgebauten Briten noch gibt. Zudem hat er eine Wahnsinns-Dynamik, eine gute Räumlichkeit, die wirklich auch in die Tiefe spielt (da hapert's z.B. beim B750) und kann einem sogar heftig das Zwerchfell massieren. Was er im Moment noch nicht kann, ist der deutlich hörbare obere Bassbereich, man fühlt ihn mehr, als man ihn hört, doch das kommt noch mit dem Einspielen. Was er nicht kann und auch nie können wird: locker und flockig über die obere Grenze des Hörpektrums hinaus zu zeigen, z.B. gibt es Geräte, die können Triangel-Anschläge nahezu unverfälscht locker übertragen - dazu fehlt hier einfach die gewaltige Leistungsbandbreite moderner Konstruktionen. Das bedeutet aber ganz und gar nicht, dass das Gerät "lahm" wäre - rhytmisch schnell ist er durchaus, Schlagzeug bildet er sogar ganz hervorragend ab - keine Spur von "blechernen Congas".

Ich habe das Gerät inzwischen drei Gästen vorgeführt, wie Sie denn den Klang des A78MK2 so fänden. Darunter waren ein Hifi-Hersteller und Schlagzeuger, ein ehemaliger Musikalienhändler und (E-)Gitarrist und einem alten Freund und Gitarrist. Also alle überaus erfahrene Hörer und praktizierende Musiker. Keiner konnte die Kritik an dem Gerät nachvollziehen - alle fanden sogar, dass das Hören damit richtig Spass mache (und ich habe einiges da, womit man vergleichen kann). Letzterer hatte dann auch den interessantesten Kommentar:
"nein, das Gerät ist gut - aber was hatte sich der Kunde eigentlich vorgestellt?!"

Nun, wer immer das Gerät kauft, sollte wissen, dass er viel von dem Gerät erwarten kann - beste Verarbeitungsqualität, eine nachhaltige Revision mit vielen Jahren neuer Lebenserwartung, eine in den End-Sechzigern entwickelte klangliche und technische Ausrichtung, die Ihrer Zeit um wenigstens ein Jahrzehnt voraus war und sich in vielen Aspekten auch von allerneusten Konstruktionen nicht überbieten lässt. Was man bekommt, ist ein nahezu unverändertes Sammlerstück, bei dem sämtliche Überarbeitungsschritte einzig der Zuverlässigkeit und effektiven Verschleiß-Beseitigung gedient haben, ohne Verschlimmbesserungen.
Man bekommt allerdings kein stromlinienförmiges Allerwelts-Hifi, der Klang hat gewaltige Vorteile in seiner ungekünstelten Direktheit, ist aber durchaus mit Haken und Ösen versehen, die ich nicht ändern will, da ich sie ohne Eingriff in die Originalität des Konzepts auch nicht ändern kann. Wer schon einen A78 gehabt hat und in etwa weiß, was ihn hier erwartet, der wird an diesem Gerät seine helle Freude haben.