Vollverstärker

Mission Cyrus II schwarz

Drei komplett revidierte Verstärker,
verkauft 2014 für 2x 648,-€ und 1x 598,-€
(letzterer mit kleinen Gehäuse-Schäden)

Verstärker:

  • Gerät komplett revidiert, Technisch TOP
  • alle kleinen 85°C Elektrolytkondensatoren gegen Panasonic FM 105°C bzw. die Elna- und Roederstein Bipolar-Typen komplett gegen bipolare Nichicon Muse (85°C) bzw. in der Schutzschaltung gegen WIMA Folienkondensatoren erneuert,
  • Umschalter ausgebaut, zerlegt, gereinigt, versiegelt und wieder eingebaut.
  • Balance-Regler auf einer Achse mit gerastetem Lautstärkeregler (Rastung lässt sich auf Wunsch reversibel entfernen!)
  • Phono MM/MC umschaltbar
  • drei Line-Eingänge
  • eine Tape-Schleife mit Tape-Record-Umschalter
  • die Gehäuse sind komplett neu lackiert, Front matt schwarz, Deckel mit schwarzem Strukturlack.

Die folgenden Bilder stammen von den angebotenen Geräten, der restliche Artikel verwendet auch Beispiel-Bilder von verschiedenen anderen Geräten.

Gerät 1

Gehäuse professionell frisch lackiert

Bei diesem Gerät sind ein paar Vor-Schädigungen am Gehäuse, der PSX-Deckel war vorne im Lüftungs-Bereich angebrochen und weist eine dort unter-geklebte Kunststoff-Platte auf. Am Verstärker ist dein kaum sichtbarer und verklebter Riss an der oberen, von vorne links gelegenen Hinterkante der Front. Phono-Masse-Rändelmutter nicht original. Wegen dieser Schönheitsfehler 50€ Abschlag auf das ansonsten einwandfreie und wie jeder andere Cyrus bei mir komplett überarbeitete Gespann.

Im PSX sieht man von oben die Deckel-Verstärkung

Alle Aufkleber wieder angebracht

Gerät 2

Gehäuse professionell frisch lackiert

Der Matt-Lack ist an den Fronten glatt, der Deckel strukturiert

Alle Aufkleber wieder angebracht

Gerät 3

Gehäuse professionell frisch lackiert

Der Matt-Lack ist an den Fronten glatt, der Deckel strukturiert

Alle Aufkleber wieder angebracht

Die Überarbeitung des Gerätes umfasst mindestens:

  • Alle kleinen polaren 85°C Elektrolytkondensatoren werden gegen Panasonic FM 105°C, bipolare Elkos gegen neue bipolare 85°C Nichicon Muse Elkos erneuert, die Tiefpass-Filter-Kondensatoren der Überstrom-Abschaltung werden durch dauer-stabile Wima-Folienkondensatoren ersetzt.
  • beide Umschalter werden ausgelötet, zerlegt, die versilberten Kontaktflächen poliert und mit Cramolin "Schutz" versiegelt und wieder eingebaut.
  • der Phono-Umschalter wird zerlegt, gereinigt und gefettet.
  • Der Lautstärke/Balance-Regler wird Ultraschall-gereinigt und versiegelt.
  • Bei Bedarf neue Treiber-Transistoren (silberblaue Original-Treiber wie hier neigen nach meiner Erfahrung zu Ausfällen)
  • Umrüstung Phono-Versorgung mit Ladestrom-Begenzung
  • Erneuerung des Koppel-Widerstands zwischen geerdetem Gehäuse und Schaltungsmasse.
  • Bei Bedarf werden die Lötstellen nachgearbeitet bzw. Leiterbahnen verstärkt, z.B. an den Cinch-Buchsen und den Spannungsreglern.
  • der Ruhestrom kontrolliert, ggf.korrigiert
  • bei Bedarf wird die Wärmeleitfolie am Kühlkörper sowie der Warmeleitkleber der Ruhestrom-Fühl-Transistoren erneuert.

Optional gegen Aufpreis:

  • Austausch des Quellumschalters (wenn gewünscht auch des Record-Select-Schalters) gegen einen Umschalter mit hartvergoldeten Kontaktflächen (s.u.), Kosten: 27,50€/Stk. im Rahmen der Revision, 55€/Stk. Austausch ohne Revision, 110€/Stk. im Einzelverkauf ohne Einbau (nur bei ausreichendem Lagerbestand), alle Preise incl. MwSt.
  • neue Netztrafos bester Fertigung (Müller-Rondo) für Cyrus II der letzten Generation, da hier häufig nur noch Talema statt Holden&Fisher Verwendung fanden (s.u.). Trafo Cyrus 60,50€, Trafo PSX 109,90€ (Einzelpreise ohne Einbaukosten, Preise incl. MwSt.)

Vollverstärker:

oben: Geräte der ca. dritten Generation in Nextel-Lackierung - man sieht die beleuchteten Schriftzüge...
unten: ein frisch lackiertes Cyrus2-Gespann

Der Cyrus II ist meiner Meinung nach immer noch der beste Cyrus den es bisher gab. Der Nachfolger war dann in SMD-Technik ausgeführt (SMD=surface mounted device/Oberflächen-montierte Bauteile - im Gegensatz zu bedrahteten Bauteilen in Durchsteck-Montage), leider auch noch mit dem bekannten SMD-Transistor-Aussetz-Problem der mittleren 90er Jahre (Rußeinschlüsse in den Gehäusen von Transistoren). Da hat dann Cyrus-Hören dann nur noch bedingt Spaß gemacht, nicht schlecht so lange sie liefen, aber mit dem Original nicht mehr zu vergleichen.

Die Cyrus II -"Schuhkartons" zählten und zählen in ihrer Klasse jedenfalls zu den mächtigsten Verstärkern von der Insel, jedenfalls wenn ein PSX verwendet wird. Mit dem eigenen Trafo alleine ist die Dimensionierung noch wie von vielen Firmen gewohnt, der eingebaute Ringkern bringt locker die Maximal-Leistung der Endstufe samt Verlusten dauerhaft an jeder erlaubten Last auf. Das PSX dagegen versieht das Gerät mit einer dreifach überdimensionierten Versorgung - da wackelt nichts mehr in der Stereo-Abbildung, es geht plötzlich alles "gaaanz locker".

Die neue Bestückung mit Nichicon Muse Bipolar-Elkos, das Phono-Netzteil im Vordergrund

Im Phono-Netzteil habe ich ein zeitweises Lieferproblem zur Tugend gemacht: die 470µF Ladeelkos wurden gegen 1000µF Panasonic FM getauscht. Als Gleichrichter wurden ultraschnelle Dioden eingebaut. Da sich nun dabei eigentlich die störenden Ladeströme erhöhen würden, habe ich da eine kleine Bremse dazu gefügt und anstelle zweier Brücken in der Wechselstrom-Zuleitung zwei 1Ohm-Widerstände gesetzt. Wenn die internen Sicherungen im PSX-Betrieb entfernt sind und die Endstufe extern versorgt ist, bleibt das Phono-Netzteil mit der Phonostufe als einzige Last am internen Trafo. Man muss für die Phono-Nutzung das Netzkabel des Verstärkers anstecken, einschalten braucht man nicht - damit würde nur zusätzlich der Schriftzug beleuchtet, was wegen der ungünstig verschalteten Vorwiderstände der Leuchtdiode nur unnötig viel Strom verbraucht. Benutzt man nur Line-Quellen, kann man das Netzkabel am Verstärker sogar weg lassen, Umschaltung und Lautstärke-Regelung/Balance arbeiten völlig passiv.

Umgekehrt lässt sich der Phono-Vorverstärker über den Tape-Ausgang bei angestecktem Netzkabel am Verstärker auch bei abgeschaltetem PSX nutzen (z.B. zum Digitalisieren von Schallplatten).

ein neuer PSX-Einbau-Stecker

Nach langer Suche habe ich eine Bezugsquelle und eine Bestellnummer für den PSX-Anschluss gefunden, den blauen, dreipoligen Einbau-Stecker des Herstellers Hirose. Wegen Gehäuse-Toleranzen liegt oft die Rastnase dieses Steckers sehr eng an der Buchsen-Blende an und wird daher blockiert oder zumindest schwergängig. Das führt wiederum durch die gewaltsame Handhabung zum häufigen Abbrechen der Rastnase, mit der Folge, dass der Stecker die Kupplung des PSX-Kabels nicht mehr richtig fest hält. Aussetzer an dieser Stelle sind nicht ganz unproblematisch, denn das bedeutet in der Regel, dass eine der beiden Betriebsspannungen in der Endstufe plötzlich weg bleibt. Die Folge sind heftige Verzerrung und Gleichspannung am Lautsprecher-Ausgang. Fehlt also die Nase, soll und kann der Einbaustecker inzwischen erneuert werden (auch die Kupplung ist ersetzbar).

Regelmäßig löte ich auch die Cinch-Buchsen nach, wobei das nur bei jeweils eingestecktem Stecker geschehen sollte, da sonst der Buchsenkontakt verrutscht angelötet wird und dann das Einstecken blockiert.

Das Phono-Netzteil arbeitet jetzt mit doppelter Kapazität, schnellen Dioden (oben) und Widerständen zur Ladestrom-Begrenzung (links)

Unten: in der Endstufe werden als Stütz-Elkos für den Leistungs-Teil jetzt generell 220µF 50V Panasonic FM verwendet, wenn die Treiber-Transistoren dahinter aus Ausfall-verdächtiger Fertigung stammen, werden sie pauschal erneuert, dahinter wiederum sind die Korrektur-Punkte für die Ruhestrom-Einstellung, Der Ruhestrom wird bei jedem Gerät kontrolliert und ggf. nach Hersteller-Angaben angepasst.

Übersicht eines revidierten Cyrus II mit frisch lackierter Front

Umschalter & Regler

Andere seriöse Anbieter von Gebraucht-Geräten haben das auch erkannt, Geräte, die in diesem Bereich nicht angemessen überarbeitet wurden, sind für den Käufer nicht viel wert.

Einsprühen hilft hier wirklich nicht. Schon gar nicht dauerhaft.
Im Gegenteil: Ungeeignete Sprays und Öle und/oder deren falsche Anwendung zeigen vordergründige Erfolge und beschleunigen schließlich die Korrosion.

So ganz schnell habe ich auch nicht heraus gefunden, wie man am besten mit Kontakten umgeht, die problematischen haben alle eins gemeinsam: Silber. Besser: Versilberung. So lange die Silber-Oberfläche sauber ist, zählt sie zu den definitiv besten Kontakt-Gebern.

Versilberte Kontaktflächen mit Sulfit-Schicht

Der Luft-Sauerstoff verändert das Silber nicht wesentlich, wo immer kleine Mengen Silber-Oxid entstehen, hat das auf die Kontaktgabe kaum negativen Einfluss. Schlimm wird es, wo Schwefel in die Nähe gelangt, das berühmte Ei, das man nicht mit Silberlöffeln isst, kann hier als abschreckendes Beispiel dienen. Gerade wenn die Schalter nicht gekapselt sind, beschleunigen Zwiebeldämpfe aus der Küche nebenan oder ausgasender Gummi in der Nähe des Gerätes die Bildung von Sulfit-Belägen. Und die werden erstens meist deutlich dicker als eine Silber-Oxid-Schicht, sind aber vor allem elektrisch auch weit problematischer. Denn ein davon belegter Kontakt verhält sich als "VDR", ein spannungsabhängiger Widerstand, geringen Spannungen setzt diese Schicht einen höheren Widerstand entgegen, als hohen. Das verursacht zunächst Verzerrungen (ganz ähnlich den Null-Durchgangs/Übernahme-Verzerrungen von B-Verstärkern), im fortgeschrittenen Stadium komplette Kanal-Aussetzer.

Ein Sprühstoß mit Kontaktspray löst die Schicht an, fördert zunächst das lokale frei-reiben der Kontakt-Spur durch die Kontakt-Feder, verbleibt mit seinen im Öl-Anteil vor dem Verdunsten geschützen, dauer-aggressiven Lösungsmitteln aber auf dem Metall und arbeitet dort mit den Jahren Korrosions-beschleunigend. Nach der Behandlung dauert es i.d.R. nicht allzu lange, bis das Problem zurück kehrt, das Silber-Sulfit wurde ja nur teilweise gelöst und nicht entfernt. Ein Blick in den Schalter nach Jahren zeigt dann meist jede Menge mehr Belag und vor allem häufig grüne Kupfer-Ausblühungen. Grünspan weist darauf hin, dass hier die Bronze-Federn genauso in ihrem Basis-Material angegriffen sind, wie auch das Messing unter den Kontakt-Flächen.

Auch Ballistol löst übrigens nur den Dreck an, dieses Spezial-Öl ist zum Reinigen von Waffen vorgesehen, nicht für Kontakte. Und soll meines Wissens auch in und auf Waffen nicht in dicken Schichten hinterlassen werden. Damit behandelte und nicht abschließend abgewischte Kontakte zeigen nach einiger Zeit eine Verharzung und Flockenbildung - und einen typischen Geruch. Leider aber keine wirklich guten Kontakt-Eigenschaften. Dafür leiden offensichtlich diverse Kunststoffe in der Umgebung extrem unter Ballistol-Rückständen, Cinch-Buchsen-Gruppen, Styroflex-Kondensatoren, Drehschalter-Rahmen - all so etwas bekommt eine trüb-matte Oberfläche und wird extrem spröde und brüchig.

Ballistol, Carramba, Kontaktspray haben also in elektronischen Geräten zumindest auf Dauer nichts zu suchen, wendet man sie zur Reinigung an, müssen die Rückstände umfassend beseitigt werden.

Poliert und geölt

Helfen kann nur eine wirkliche Reinigung und Politur des Kontakt-Silbers, möglichst schonend, Kratzer-frei und ohne unnötig die Beschichtung abzutragen. Dazu müssen Schalter natürlich gekonnt zerlegt werden. Leder-, Watte- oder Velours-Stäbchen, in schwer zugänglichen Bereichen auch feine Karton-Streifen im Zusammenhang mit geeigneter Metall-Politur sowie ein Ultraschall-Bad sind notwendige Verbrauchsmaterialien und Werkzeuge. Gegen Luft-Kontakt versiegelt werden die gereinigten Flächen bei mir schließlich mit "Cramolin Schutz", was laut Hersteller genau für diese Anwendung vorgesehen ist - und völlig frei von Säure, Harzen und Lösungsmitteln. Noch bessere Vorschläge nehme ich da übrigens auch gerne entgegen.

Die perfekte Dauer-Lösung wäre übrigens eine nachfolgende Über-Hart-Vergoldung. Ein so behandelter Kontakt ist nur minimal weniger leitfähig - aber dafür erhält man absolut Korrosions-sichere und dauer-stabile, elektrisch lineare Kontakte. Ist im Grunde für fast alle solchen Kontakte auch nachträglich machbar, aber auch extrem aufwändig und teuer.

Natürlich werden auch die restlichen Teile des Schalters (Ultraschall-)gereinigt...

Offene Alps-Potentiometer wie z.B. das eines Cyrus zerlege ich übrigens nicht. Im Inneren besteht im Grunde das gleiche Problem, es setzt nämlich nicht der Schleif-Kontakt auf der Widerstands-Kohleschicht aus, sondern (wie bei fast allen Potentiometern) die Rückleitung des Schleifers zu seinem Mittel-Anschluss. Das ist ebenfalls ein bewegter Kontakt, aber nicht auf einer selbst-schmierendem Graphit/Kohleschicht, sondern auf einer Versilberung.
Bei den preiswerten, offenen Potentiometern kommt man an diese nicht ohne Zerstörung heran, öffnet man die Vernietung/Verpressung der Achse, erreicht man diese Schicht zwar, bekommt den Regler aber nicht mehr zusammen gesetzt.

Hier greife ich zu Schmuckreiniger im Ultraschall-Bad, der greift die Kohleschicht nicht an, befreit aber die Silberoberflächen vom Sulfit. Das riecht man während der Reinigung auch, es entsteht in kleinen Mengen Schwefelwasserstoff. Denn leider sind Gehäuse und Achse aus unedleren Metallen (Aluminium und Zink), so dass während der Reinigung auch eine Elektrolyse einsetzt, bei der das Silber durch Reduktion sogar teilweise nur vom Schwefel befreit und nicht abgetragen wird, dabei laufen andere Gehäuse-Teile allerdings auch gerne etwas dunkel an. Das beeinträchtigt etwas die Optik, die Funktion jedoch in keiner Weise. Auch hier schütze ich das gesäuberte Silber abschließend mit Schutz-Öl.

Ein gereinigter Satz Schalter/Regler (hier von einem Cyrus2) vor der Wieder-Montage

PSX:

  • Am PSX nehme ich normalerweise ohne Not keine Änderungen vor. Sollte der Zusatz-Anschuss für Tuner etc. genutzt werden oder zeigen sich Probleme mit dem Schalter oder der Betriebsanzeige, dann kann man nach Bedarf eingreifen. Einen Austausch der Becher-Elkos halte ich im Normalfall nicht für sinnvoll.

Die Wirkung eines PSX an einem Cyrus II?
kurz: frappierend (wenn man nicht am Problem vorbei hört)!
Ich würde sagen: erst hiermit wird der Verstärker wirklich attraktiv, es begibt sich alles in die Ruhelage, das Gerät spielt lockerer, schneller, kontrollierter - bei einer grundsätzlich so sauber klingenden Konstruktion genau der richtige Anbau, ein "Muss".
Ohne PSX ist der Verstärker im Mittelfeld der Konkurrenz, seine leichte Tendenz zu analytischer Härte verzeiht man ihm nur widerwillig, bis dieser Turbolader ins Spiel kommt. Dann packt das Gerät derart zu, dass man sich an manche Vor-Endstufen-Kombinationen erinnert fühlt. Der Verstärker macht im Gespann einen viel weiteren klanglichen, als preislichen Sprung, so sehe ich das...

Cyrus-Aufbau und -Klang

mit einer Handvoll anderer Briten teilt dieser Cyrus einen nach wie in der Summe der Eigenschaften vor kaum zu verbessernden Innen-Aufbau. Das schmale "shoe-box"-Gehäuse beinhaltet eine passive Signal-Umschaltung und Lautstärke-Reglung und führt deren Ausgang direkt einer kompakten und gut versorgten Endstufe zu. Diese Endstufe wurde in Beziehung auf Zuverlässigkeit, Ein/Ausschalt-Verhalten und natürlich in klanglichen Aspekten aufwändig und lange entwickelt und immer wieder anhand ihres Verhaltens verbessert und angepasst.
Der Cyrus ONE und TWO unterscheiden sich in ihrer Maximal-Leistung und Erweiterbarkeit. Nur der Zweier weist ab Werk einen PSX-Einbau-Stecker auf und hat eine höhere Endstufen-Strom-Belastbarkeit mit reichlicher Auslegung für die ca. 2x50W an 8 Ohm. Die Maximal-Leistung erhöht sich übrigens durch das PSX nur unwesentlich, der Unterschied liegt eher in der Versorgungs-Stabilität.

Die Endstufe ist durchgehend konventionell mit bipolaren Transistoren aufgebaut. Sie zählt durchaus zu den minimalistisch Konzepten mit niedrigen Verzerrungs-Werten. Ein- wie Ausgang sind ungewöhnlich aufgebaut, die Eingangs-Transistoren sind als Sziklai-Paare ausgeführt, und weisen (wie z.B. auch der Musical Fidelity B1) entsprechend eine hohe Vergleicher-Empfindlichkeit auf. Die Endstufen wurden mit Transistoren aus dem Schalt-Bereich auf Puls-Festigkeit und geringe Schalt-Effekte ausgelegt, die Wahl fiel auf BUV28/BUV48 - die man hier als die OEM-Typen PT17/PT77 findet. Hierzu gibt es allerdings keine Komplementär-Typen, so dass man auf eine Quasi-Komplementär-Schaltung mit lauter gleichen End-Transistoren ausgewichen ist.

Geschützt wird die ganze Endstufe durch eine Überstrom-Erkennung, die die Endstufe bei Überlast so lange lahm legt, bis man das Gerät komplett abschaltet, darüber hinaus gibt es für den Notfall nur Schmelz-Sicherungen, auf ein Ausgangs-Relais wurde bewusst verzichtet - alternde und verzunderte Relais verschlechtern nämlich den Klang oft wesentlich und kosten als Bauteil gerade bei gehobener Qualität verhältnismäßig viel - und können dennoch versagen. Immerhin ist die Schaltung so ausgelegt, dass beim Ein- und Ausschalten kein nennenswerter "Plopp" entsteht, eine Relais-Verzögerung aus diesem Grund wäre überflüssig.

Wird beim großen Modell die externe Spannungs-Versorgung verwendet, müssen die internen Sicherungen entfernt werden, im PSX-Betrieb hängt die Endstufe daher ohne große, lokale Stütz-Kondensatoren an der externen Versorgung. Um so einflussreicher sind daher klanglich die vier kleinen, lokalen Stütz-Kapazitäten direkt im Endstufen-Bereich. In frühen Modellen waren hier 100µF-Elkos verwendet, später (und auch immer bei meiner Revision) wurden daraus 220µF, damit reicht diese Pufferung eine Oktave tiefer (an 8 Ohm Last sind das 90Hz, die dieser Elko noch unterstützt).
Ausgetauscht durch Pansonic-FM-Typen sehe ich hier eine der wesentlichen Verbesserungen gegenüber dem originalen Neuzustand.

Der Cyrus hat eine gewisse Neigung, grobe Lautstärke-Sprünge und heftige Attacken besser zu beherrschen, als die feineren Unterschiede, dem wirkt bei meiner Revision entgegen, dass ich die zweifellos recht guten, doch verschlissenen Elna-Bipolar-Elektrolytkondensatoren inzwischen bei der Standard-Revision immer durch Nichicon Muse ersetze, eine weniger hektisch und dafür mehr farbenfroh wirkende Baureihe. Kombiniert mit den hoch auflösenden Panasonic FM-Kondensatoren ergibt sich nach dem Einspielen eine sehr runde Abstimmung. Wichtig für den guten Klang ist auch (gerade wenn aus Gründen der Betriebssicherheit die Treiber erneuert wurden), dass man den Ruhestrom kontrolliert und bei Korrektur-Bedarf entsprechende Fest-Widerstände ermittelt und einbaut.

Den größten Fortschritt aus dem Verschleiß-Zustand heraus macht der Cyrus allerdings durch die Reinigung der Umschalter und des Reglers, deren Silber-Sulfat-Beläge zu Aussetzern und Verzerrungen führen, sauberes Silber dagegen zählt als einer der besten elektrischen Leiter unter allen Umschalt-Methoden bzw. Kontakt-Materialien immer noch zu den besten.

Gerade den PSX-erweiterten, revidierten Cyrus empfehle ich dort, wo man einerseits einen typischen Briten haben möchte, anderseits bereits wegen etwas anspruchsvollerer Lautsprecher und/oder größerer Räume viel Stabilität gefordert ist. In dieser Beziehung leistet der Cyrus II sogar klar mehr als ein Exposure Vollverstärker, er dämpft und kontrolliert einfach schwierige Lautsprecher besser, ist darin auch im Gegensatz zu vielen anderen Briten an 4-Ohm-Boxen nicht gleich eine Klasse schlechter.

Ich finde, dass Cyrus ONE und TWO einfach gekonnt ausgelegte, gerade in den späteren Varianten sehr zuverlässige "allround"-Verstärker sind, die eine riesige Lautsprecher-Auswahl und verschiedene Raum-Größen bedienen, dabei keinesfalls auf bestimmte Musik-Richtungen festgelegt sind. Die größte Ausbau-Version mit PSX behält auch noch bei großen Orchestern den Überblick und kann dennoch ein kleines Ensemble glaubhaft platzieren.

Es gibt Briten, die weit mehr spezialisiert sind und dem Cyrus an sorgsam ausgesuchten Lautsprechern davon ziehen. Wenn Sie jedoch die Mühe scheuen, Ihre Kombination exakt passend zusammen zu stellen, fahren Sie mit einem Cyrus in der Regel besser, Sie erreichen mühelos bereits gute bis sehr gute Ergebnisse, ohne sich "einen Kopf machen" zu müssen. Eine etwas unterschiedliche Alternative wären Camtech/Audiolab-Verstärker.