Eigenentwicklung

Multifunktions/Fernbedien-Modul für RG2/RG9/RG10/RG14

Upgrade-Kombi-Platine für Fernsteuerung, Pufferung Vorstufen-Netzteil, Kopfhörer-Verstärker und Steuerung des Vorstufen-Stummschalt-Relais

Gesamtpreis einer kompletten Nachrüstung bei bereits revidiertem Gerät 442€ pauschal.

Folgende benötigten Einzelkomponenten:

  • Externer IR-Empfänger mit Empfangs-Anzeige-LED und daran konfektioniertem originalem Belkin-Stecker (Symphonic Line kompatibel, samt Geräte-Einbau-Buchse): 42,-€
  • NoName Geber "Seki slim" lernfähig, vorprogrammiert, Farbe wählbar: 10,-€
  • Kalkulierter Modul-Preis ohne Montage: 260,-€
  • Motor-Potentiometer: 30,-€
  • Nachrüstung Einbau-Preis ca. 2 Stunden Aufwand (nur bei bereits revidierten Geräten) pauschal 100€, ansonsten nach Aufwand

Ausgangssituation

war für mich bisher eine recht unbefriedigende Lösung aus Duisburg. Man hat da seit Anbeginn der RG9-Entwicklung keine eigenen Ressourcen in die Fernbedienbarkeit gesteckt. Wo eine solche gewünscht wird, hat man sich (durchaus sinnvoll) bisher auf die Lautstärke-Regelung beschränkt. Es wird dazu statt des normalen schwarzen Noble- oder blauen Alps-Potentiometers ein motorisiertes Alps der gleichen blauen Baureihe eingesetzt. Um das zu steuern, hat man von ALBS (siehe http://www.albs.de/) den seit Jahrzehnten erhältlichen Fernbedien-Bausatz verwendet, laut deren Endkunden-VK-Preisliste (2011er-Stand, während ich das im April 2016 schreibe) zwischen 76,16€ und 100,56€ je nach Ausstattung, bei Symphonic Line wird i.d.R. nur die "kleinste" Fassung für ein Motor-Poti eingesetzt. Mag sein, dass die letzte Geräte-Generation da vielleicht bereits andere Wege geht, ich selbst habe aber noch keinem Gerät einen neueren Empfänger gesehen (MK4 gibt es bei mir noch selten...). Für meine gelegentlich benötigten Nachrüstungen habe ich bei Albs auch nie irgendwelche Nachlässe bekommen. Rechnet man noch das Motor-Potentiometer dazu, dass man so zwischen 20 und 30€ netto einkaufen kann, dann ist mit Abstandhaltern und Kabeln bereits eine nicht kalkulierte Netto-Einkaufs-Summe von deutlich über 100€ für diesen einen Funktionsgewinn fällig - mit einer absolut unspezifischen und noch dazu nach heutigen Begriffen recht großen Platine - für die viele Symphonic-Line-Gehäuse auch bereits die passenden Bohrungen unter der Vorstufen-Platine aufweisen. Damit ist es allerdings nicht getan, wenn man sich an das Duisburger Schema hält. Denn zur Versorgung des Empfängers hat man zusätzlich zur Relais-Regelung nochmals eine Gleichrichtung und Regelung auf 12V vorgesehen, zusätzlich abgezweigt von einer Hälfte der Vorstufen-Wicklung. Die habe ich einmal schon auf Punktraster-Platine nach gebaut, weil's schnell gehen musste, doch im Grunde ist die Nachrüstung damit dann kein Kosten deckendes Unterfangen mehr gewesen. Kommt noch dazu, dass man für den eigentlichen Empfänger entweder durch die Front bohren, oder ein externes Kästchen mit entsprechendem Kabel und Einbaukupplung/Kabelstecker bauen oder adaptieren muss.

Insgesamt ist so eine Nachrüstung im bekannten Stil jedenfalls gemessen am Zugewinn an Funktion krachend teuer, kalkuliert man das Material normal und geht von unvermeidlich ca. 1 bis 2 Stunden Einbauzeit aus, liegt man locker in der 300€-Klasse, nur damit sich der Regler dreht ohne dass man aufstehen muss. Gut, den Nachrüst-Einbau-Aufwand bekommt man so oder so nicht wirklich kleiner - aber vielleicht ginge mehr "value for money"?

An sich hätte im RG2/RG9/RG10 von Seiten der Vorstufen-Platine von Anbeginn an auch die Möglichkeit bestanden, die komplette Signal-Umschaltung fernzusteuern - mit den 12V-versorgten Signal-Relais im Grunde ein Leichtes. Doch das Nahbedien-Feld hat keine motorisierten Schalter, so dass sich bei konstant rastenden Nahbedien-Drehschaltern keine Synchronisierung mit Fernbedien-Eingaben hätte machen lassen - und damit unterblieb dann auch dauerhaft ein derartiger Luxus.

Es gab da von Beginn an einige Kleinigkeiten, die nicht weiter gedacht wurden. Zunächst hatte beispielsweise die Versorgung der Relais ihre eigene Einweg-Gleichrichtung - was zu asymmetrischen Verhalten der Vorstufen-Versorgung und einer Vormagnetisierung des Trafos geführt hat. Anstatt einfach eine zusätzliche Diode zur Symmetrierung hinzu zu fügen, hat man also die Diode irgendwann Standard-mäßig abgezwickt und statt dessen den 12V-Regler der Relais einfach hinter den Positiv-Spannungsregler der Vorstufen-Versorgung gehängt - um dann dem Fernbedien-Modul doch noch eine zusätzliche Gleichrichtung mitsamt Regelung auf eigener Platine zu verpassen - an die dann wiederum die Relais nicht mit angeschlossen wurden.

ALBS IRFB4-1M Fernbedien-Empfänger-Modul aus meinem eigenen Gerät, dahinter die zugehörige Extra-Versorgung

An dem traditionell verwendeten Fernbedien-Bausatz ist interessant, dass ich dessen Befehle auf vorprogrammierten Fernbedienungen nie finden konnte. Bis vor kurzem war mir völlig unklar, welches Code-Modell hier verwendet wird. Das habe ich jetzt im Zuge meiner Eigen-Entwicklung noch im Vorbeigehen geklärt. Der erste Schritt war ein Blick in den ALBS-Geber.

Im Datenblatt des hier verwendeten HT6230-Chips ist zwar der verwendete BiPhase-Code detailliert beschrieben, jedoch mit keiner Silbe benannt (vermutlich aus Lizenz-rechtlichen Gründen). Listen im Internet geben aber Aufschluss darüber, dass es sich hier um einen Geber für Philips-RC5-Code handelt.

Original-Geber meiner ALBS-Bedienung

Der nächste Schritt war eine Vermessung und Zuordnung des Codes

Speicher-Oszilloskop-Aufnahme des Lautstärke-Plus-Befehls der oben abgebildeten Fernbedienung

Das RC5-Protokoll beginnt mit zwei Start-Bits und einem Toggle-Bit, danach folgt mit 5 Bit die Geräte-Adresse (Typ Gerät) und danach mit 6 Bit der eigentliche Bedien-Befehl.

Und da ergibt sich für diese Messung, dass die Geräte-Adresse die 30 ist, laut RC5-Listen "Lichtanlage1", der eigentliche Befehl entspricht laut Tabelle nicht den für Lautstärke vorgesehenen Befehlen, sondern den Ziffern "8" für Lautstärke-Minus und "9" für Lautstärke-Plus. Das nur am Rande.

Eigene Pläne

Seit langem hatte ich bereits vor, einen kleinen, billigen Prozessor so weit in den Griff zu bekommen, dass er bei eigenen Projekten kompakt zum Einsatz kommen kann. Die Recherche ergab, dass es außer von ALBS auch Bausätze von ELV, Vellemann und Pollin gab. Wobei nur der letzte direkt und ohne Beschränkung die Sourcen mit lieferte, zudem war das auch ein recht preiswerter Spaß zum Experimentieren, um die 6€ samt einem Geber. Zur Anwendung kam ein Atmel-Billig-Microcontroller, in dem Flash-Bereich, Speicher, Taktgeber und Reset bereits integriert waren, gepaart mit Sparsamkeit und hinreichend Ein- und Ausgangs-Pins. Der Preis des IC selber lag selbst beim Kauf in kleinen Mengen bei kaum über einem Euro

Und es gab ein Projekt mit gut kommentierten Sourcen zur Umprogrammierung des Bausatzes, mit entsprechenden Anpassungen auf nahezu beliebige Infrarot-Codes. Das Pollin-Bausatz-Teil war schnell gekauft, die Kompetenz zur Anwendung der Software fehlte mir allerdings - so blieb die Sache lange Zeit liegen. Auch funktionierte meine Entwicklungs-Umgebung noch nicht richtig, Eclipse und AVR-Dude brachten keine guten, schnellen Schreib-Ergebnisse in den gewählten Chip, das lag mindestens teilweise an meinen (USB-)Adaptern. Letztlich konnte ich das aber lösen und habe mir für gerade mal ca. 10€ im dritten Anlauf einen Programmier-Adapter besorgt, der endlich alles tat, was er sollte - und zwar flott. Und mit diesen Voraussetzungen erbarmte sich in diesem Frühjahr dann ein alter Freund und Ex-Kollege, der in Software-Quellen mindestens so schnell und sicher liest, wie ich in Verstärker-Schaltplänen. Der hatte meine entsprechenden Anpassungen und Wünsche in Windeseile umgesetzt, doch erst nachdem eine Weile so absolut gar nichts ging - die Software definiere nämlich die Takt-Geschwindigkeit des verwendeten Prozessors, nur dass wir im Atmel-Controller einen ganz anderen internen Takt vorliegen hatten, als den im Quellcode-Beispiel - ein so grundlegender Fehler, dass man ihn überhaupt erst mal sehen muss. Bei Abweichung des Basis-Takts von den Erwartungen der Software stimmt ja kein Zeit-Intervall mehr und so lässt sich eine empfangenes, seriell (Zeit-)codiertes Signal natürlich nicht erkennen und auswerten. Sowie die entscheidende Zeile entdeckt war, hatte er jedenfalls ganz schnell fertig, was ich brauchte: ich wollte jede Taste schlicht 1 zu 1 an einen entsprechendes Ausgangs-Pin des Controllers weiter geben: "high", so lange man gedrückt hält, ansonsten alle Ausgangs-Leitungen immer "low". Und genau so zeigten dann meine Kontroll-LEDs den Empfang der gewählten Tasten auch an.

Genaue Quellenangaben und meine Variationen des Quellcodes finden Sie im Artikel zum Miniatur-Fernbedien-Modul.

Mit diesem Grund-Schema lässt sich jetzt eine gegenseitig ausrastendes Nahbedienungs-Logik parallel zu einem Tastensatz am Gerät steuern, genauso, wie Motor-Steuer-ICs damit eindeutig einen Lauf-Befehl mit Laufrichtung übermittelt bekommen. Den Rest will ich - trotz vordergründig hohem Aufwand - in CMOS-Logik aufbauen - denn das gewährleistet zusammen mit freien Quellen eine dauerhafte Reparierbarkeit durch Fachleute, ohne dass der Prozessor bei Defekt die komplette Nahbedienung außer Gefecht setzen könnte.

Das Empfänger-Modul in der Übersicht - die größte Fläche nehmen Puffer-Elkos ein

Sowie ich die angepasste Software funktionstüchtig in den Controller spielen konnte, reifte der Entschluss, daraus zuerst eine zum RG2/RG9/RG10/RG14 passende Platine zu entwerfen - und den restlichen Platz auf dem zu den Boden-Löchern passenden Board dabei sinnvoll zu verwenden.

Die Pufferung

Die große Symphonic-Line-Vorstufe und die CD-Spieler haben den Vollverstärkern im Versorgungsteil besonders eines voraus:
Jede Menge Stütz-Kapazität nach den LM317/LM337-Spannungs-Reglern. Durch Recherche und Simulation hatte mein Bruder zu diesen ICs folgendes heraus gefunden: mit in der Nähe angebrachten Elkos mit relativ hohem ESR (wie es zur Entstehungszeit dieser Bauteile in den 1970ern üblich war) ergibt sich ein über die Frequenz sehr ausgeglichenes Phasen- und Impedanz-Verhalten. Mit jüngeren, niederohmigen Elkos allerdings ergeben sich Resonanzen und Phasensprünge. In der Simulation zeigt sich, dass z.B. ein moderner 10µF-Elko hinter so einem Regler einen Effekt gerade oberhalb des Hörbereichs macht. Verwendet man höhere Kapazitäten, wandert der "Sprung" immer weiter in den Hörbereich hinunter, verflacht aber auch gleichzeitig. Außer Sicht gerät er erst wieder, wenn er hinreichend tief und flach gedrückt wird, hier ergab sich ein Wert von mindestens 3000 bis 4000µF. Mit Low-ESR-Typen zwischen 10µF und 3000µF gibt es am Ausgang dieser Regler also sozusagen einen "verbotenen Bereich". Interessanter Weise ist auch die Kapazität, die in der RG3 oder im SL-CD-Player hinter den Reglern Anwendung findet, über 3000µF. Die Regler werden für diese hohe Kapazität durch einen Soft-Start entlastet, der beim Einschalten hohe Beladeströme verhindert. Dieser Soft-Start befindet sich auch auf der Vorstufen-Platine der RG2/RG9/RG10/RG14-Verstärker - aber außer den entkoppelten Versorgung für Phono (nur die Plus-Spannung, je ein R-C-Glied von 10Ω/1000µF) hat die "kleine" Vorstufe keine entsprechende Stützung. Bei Upgrades ergänze ich deshalb seit einiger Zeit bereits auf beiden Spannungen je 3300µF. Um die Zusatzplatine nun schön Störungs-frei zu bekommen und den Kopfhörer-Verstärker erst mal auch lokal gut zu puffern, habe ich den verbleibenden Platz auf dem Board (ähnlich wie im SL-CD-Player) mit 470µF-Elkos voll gestellt, 2x7 Stück, macht weitere 3290µF pro Spannung - insgesamt jetzt also nominal je 6590µF - ähnlich wie in der RG3. Die 3300µF-Ergänzung direkt am Vorverstärker-Board ist dabei ein FC-Typ, hier, an der "langen Leine" kommen FM-Elkos mit anderer Resonanz und sehr niedrigem ESR zur Anwendung. Insgesamt agiert die Vorstufen-Spannungsregelung jetzt eher wie eine Akku-Ladeschaltung, denn alle Nachlade-Vorgänge und damit der "Regel-Abdruck" liegen im Spektrum deutlich unter dem Hörbereich.

Der Kopfhörer-Verstärker

Was mich schon immer gestört hatte, war die Ankopplung des Kopfhörer-Ausgangs an die Lautsprecher-Endstufen, hier gab es bei älteren Verstärkern noch fehldimensionierte Spannungsteiler, die regelmäßig bei einem Leistungstest des Verstärkers in Rauch aufgingen - gehen mussten. Später hat man diese Verhalten dadurch vermieden, dass man den unteren Teil des Teilers einfach weg ließ - jetzt hatte der Kopfhörer nur noch einen Vorwiderstand, bekam aber den vollen Lautsprecher-Pegel - da kann man nicht mehr gut aufdrehen, der Stör-Abstand und der Lautstärke-Regelbereich sind extrem ungünstig. Zudem wird durch den Vorwiderstand der Kopfhörer "entdämpft", was nicht zwingend von Vorteil ist, jedenfalls nicht in diesem Maß.

Meine bis dahin in Gedanken liebste Gegenmaßnahme: ein Anschluss des Kopfhörers direkt an den geregelten Vorstufen-Ausgang. Denn die hier verwendete Treiber-Stufe ist vom Aufbau her ein idealer Kopfhörer-Verstärker - nicht so ideal ist aber der Anschluss des Hörers an Cinch-Buchsen, die einerseits ja nicht die Lautsprecher abschalten, anderseits den Anschluss externer Endstufen verhindern und bei Nicht-Entfernen des Kopfhörers auch negative Auswirkungen auf den parallel liegenden Endstufen-Eingang des Vollverstärkers haben.

der Kopfhörer-Verstärker ist ein SMD-basierter Klon des Vorstufen-Ausgangs

Somit habe ich den Line-Treiber-Verstärker einfach geklont und in einer weiteren Stereo-Version auf die Fernbedien-Platine gesetzt, durch SMD-Bestückung allerdings deutlich verkleinert. Auch die obere und untere Grenzfrequenz habe ich etwas knapper gewählt als im Original (aber mit ca. 16Hz bis 100kHz immer noch klar über den Hörbereich hinaus), was neben der Vermeidung von unnötigem Subsonic und von Intermodulation-Verzerrungen auch zusätzlich den Einsatz Verschleiß-freier Folien-Koppelkondensatoren geringer Größe zuließ. Zudem dient das dem Schutz des Kopfhörers vor Überlastung. Der Dämpfungsfaktor dagegen ist jetzt gegenüber der Widerstands-Koppel-Variante am Lautsprecherausgang wesentlich erhöht, ein entsprechender Reihenwiderstand an der Kopfhörer-Buchse würde nun bei Bedarf eine beliebige Anpassung ermöglichen. Setzt man das Modul in einer älteren RG2 ein, ist der Kopfhörer-Betrieb meist überhaupt erst damit möglich.

Die Relais-Steuerung

In einem Vollverstärker könnte man meinetwegen auch die Verzögerung/Schutzschaltung für die Lautsprecher-Relais für die hier vorgestellte Aufgabe verwenden. Es hatte mich immer gewundert, wieso bei den Vollverstärkern auf der Vorstufen-Platine zwar ein Relais für die geregelten Ausgänge bestückt war, aber stets an der Unterseite überbrückt war. Und diese Überbrückung hatte mir auch schon gelegentlich per lautem Knall einen heillosen Schrecken verursacht, wenn ich versehentlich mal eine Endstufe hinter meinem Bluesline Stage (~RG9) vergessen hatte, noch vor dem Vollverstärker abzuschalten. Nur durch Zufall ging das bei mir bisher ohne Schäden ab. Andere hatten bei ähnlichen Aktionen weniger Glück, der "Plopp" beim Abschalten seiner Vorstufe ohne vorheriges Abschalten seiner RG7-Endstufe hat einem Kunden aus der Umgebung seinen Görlich-Basstöner regelrecht pulverisiert.

Schon bei korrekt beschalteten Vorstufen sollte man tunlichst vermeiden, je die daran angeschlossene Endstufe(n) eingeschaltet zu haben, während man an der Vorstufe ein- oder aus-schaltet. Denn jedes störende Schalt-Geräusch wird von der Endstufe ja verstärkt an den Lautsprecher übertragen.

Bei so einem RG9/RG10/RG14-Vollverstärker als Vorstufe wird es nun mit dem nicht verwendetem Stummschalt-Relais vollends ungemütlich bis gefährlich - denn gerade das langsam anlaufende Vorstufen-Netzteil mit asymmetrischer Stützkapazität dahinter führt nahezu unvermeidlich zu heftigen Gleichstrom- und Ausgleichs-Effekten, beim Ein- wie beim Ausschalten - beim Ausschalten um das Zusammenbrechen der Versorgung verzögert. Hat man ein paar mächtige RG4 oder Kraft-Monos mit Ihrer extrem niedrigen unteren Grenzfrequenz angesteckt und vergisst mal die richtige Schalt-Reihenfolge, dann kann man nur noch auf einen möglichst DC- und Impuls-belastbaren Lautsprecher hoffen.

In einer RG2 habe ich das Vorstufen-Ausgangs-Relais dann endlich mal beschaltet vorgefunden - diese Hilfs-Steuerung würde ich allerdings nicht unbedingt als mustergültigen Entwurf bezeichnen, die Kontakte werden da z.B. viel zu langsam und kraftlos betätigt - "schnelles, sattes Schalten" ist bei Relais immer die bessere Art der Verwendung.

An der passenden Seite meiner Platine fand sich noch genügend Platz, um Abhilfe zu schaffen. Über einen Stecker wird hier jetzt die Trafo-Wechselspannung kontrolliert, ohne sie zu belasten - sowie diese nach dem Einschalten vorhanden ist, lädt sie den Kondensator einer Verzögerungs-Schaltung. Ein Operationsverstärker vergleicht den Ladezustand dieses Kondensators mit der halben positiven Versorgungsspannung und schaltet bei Überschreiten einen Transistor ein - dessen Kollektor-Anschluss lässt sich über den anderen Stecker zur Steuerung des Mute-Relais verwenden. Sowie die Trafo-Wechselspannung beim Ausschalten weg bleibt, bricht die Spannung des Verzögerungs-Kondensators extrem schnell ein - das Mute-Relais wird umgehend abgeschaltet. So kann kein Ein- oder Ausschalt-Plopp mehr den Eingang einer Endstufe erreichen.

ein Operationsverstärker sorgt für sichers und sattes Relais-Schalten, verzögert an, sofort aus

Die Brücken am Vorstufen-Ausgangs-Relais sind entfernt, die internen Endstufen sind direkt vor dem Relais angeschlossen, die Cinch-Buchsen danach. An der Relais-Spule wurde eine Freilauf-Diode und ein Folienkondensator nachgerüstet, analog zu den anderen Line-Relais. Der Eingang des Kopfhörer-Verstärkers ist mit den Preamp-Out-Buchsen verbunden.

Die Fernbedienung

Kernstück der Platine bleibt aber der Empfang von Fernbedien-Befehlen. Den verwendeten Atmel-Controller habe ich inzwischen intern über seine sogenannten "Fuse"-Schalter auf 4MHz Arbeits-Frequenz herunter getaktet (8MHz beim ALBS-Empfänger), versorgt wird er durch einen entkoppelten 5V-Regler, direkt daneben befinden sich zwei Pfosten-Steckerleisten. Der eine Stecker ist eine AVR-kompatible ISP-Schnittstelle lässt eine Umprogrammierung im eingebauten Zustand zu, der andere liefert die Versorgungsspannung und die Ausgangs-Pins des Controllers für eine Erweiterung an der Frontplatte - hier werde ich noch eine Platine mit Inkremetgebern und LED-Anzeige entwerfen, über die sich die Eingangs-Umschaltung parallel per Nah- und Fernbedienung sinnvoll kombinieren lässt.

Zwei der Ausgänge des Controllers sind direkt für Lautstärke-Plus- und -Minus vorgesehen und fest mit einem Motor-Brücken-Baustein verbunden, dessen Ausgang auf einen Stecker für das Motorpotentiometer geführt ist. Diese Motorbrücke besitzt einen eigenen, einstellbaren Spannungsregler, so dass sich über die Auswahl eines SMD-Widerstands die Drehgeschwindigkeit des Potentiometers ganz leicht beeinflussen lässt.

Der Atmel-Controller ist ein gängiger Allerwelts-Chip, das Mini-IC daneben die Lautstärke-Motor-Steuerung

Ein vierpoliger Stecker ist für den Anschluss des Infrarot-Empfänger-ICs (TSOP...) vorgesehen, zu dessen drei Pins kommt hier noch ein LED-Anschluss. Wie bei der zwischen den Stecken bestückten Kontroll-LED kann man hiermit (in der Ausliefer-Version der Software) sichtbar machen, ob ein gültiger Code empfangen wird.

Als Code verwende ich Philips-RC5 wie beim ALBS-Kit auch, nur dass ich mich im Gegensatz zu diesem an die Konvention halte und die Geräteadresse für "Vorverstärker1" verwende, sowie neben den Ziffertasten 1-6 für die Lautstärke tatsächlich "VOL+" und "VOL-". Damit lässt sich ein so ausgerüsteter Verstärker mit vielen Fremd-Gebern ebenfalls steuern. Bei mir funktioniert z.B. ein Geber von Sugden und einer von Exposure. Zudem besteht jetzt zumindest die Chance, eine passende vorprogrammierte Universal-Fernbedienung zu finden. In hartnäckigen Fällen programmiert man einfach um, Anleitung folgt. Es wäre kein Problem, z.B. die von ALBS verwendeten Befehle zu nutzen.

Montage in meinem (RG9-basierten) Bluesline Stage

Einbau-Stecker für Fernbedienung, gleiches Stecksystem/(Pin-)kompatibel zu Symphonic Line

schlanker, einfacher Billig-Geber mit allen wichtigen Funktionen vorprogrammiert, meiner bedient den Symphonic Line (Akai-basierten) CD-Spieler mit - natürlich geht auch jeder andere RC5-Geber, auf fast beliebige andere Geber lässt sich der Empfänger ebenfalls umprogrammieren

Vorgefertigtes Empfänger-Modul mit Anzeige-LED für korrekt empfangene Codes, viel kleiner und smarter als die originalen Symphonic-Line-Nachrüst-Kästchen, dafür aber auch weitaus billiger - das teuerste daran ist die Umrüstung auf den traditionellen Symphonic-Line-Stecker.

Bei einer Nachrüstung eines solchen Multifunktions-Moduls bei beliebigen Symphonic Line Vollverstärkern aus bislang drei Jahrzehnten Verstärker-Bau gibt es natürlich etliche Varianten zu berücksichtigen. Es können meinetwegen durchaus bereits Einbaustecker montiert sein, man ersetzt meinetwegen vorhandene Fernbedien-Module, Nachrüst-IR-Empfänger-Module sind meinetwegen bereits vorhanden, oder ein Motor-Potentiometer bereits eingebaut. Auch haben jüngere Geräte oft bereits ein IR-Empfänger-Fenster in der Front eingebaut, wodurch die Nachrüstung eines TSOP-empfänger-ICs völlig ausreicht, ist natürlich deutlich billiger. Auch kann man manche Zerlege-Vorgänge sparen, wenn man während einer Revision nach-/um-rüstet.