Fixpreisangebote

Harman Kardon Vor-End-Kombination HK825/HK870

Komplett-Überholung mit 3 Jahren Garantie*
*Erläuterung siehe Garantiebestimmungen
Grundpreis 1475,-€ - Details
Vorstufe Revision einzeln 998,-€
Endstufe Revision einzeln 477,-€
(Abholpreis, zuzüglich Versandkosten)

Die Überarbeitung Ihres Gerätes umfasst mindestens:

  • Alle Elektrolytkondensatoren. Eingebaut werden für polare Typen durchgängig Panasonic HA/FC/FM, bei Snap-in-Typen auch Nichicon GU, gegenpolige Reihenschaltungen von je zwei polaren Elektrolytkondensatoren werden durch je einen bipolaren Nichicon-Muse-Elektrolytkondensator des halben Werts und eine Brücke ersetzt. Bei Werten bis 1µF, insbesondere in der Logik-Steuerung, werden Elektrolyt-Kondensatoren durch WIMA MKS-2/02-Folien-Typen ersetzt.
  • Platinen und Bauteile werden komplett von aggressivem Industrie-Kleber befreit, durch Kleber beschädigte Bauteile ersetzt.
  • bei Bedarf werden die Platinen umfassend nachgelötet.
  • Alle Bedienelemente werden ausgebaut, zerlegt und (Ultraschall-)gereinigt oder ersetzt

Anfang 90er Jahre war dieses Gespann der Nachfolger der legendären Citation Geräte. Klanglich ist diese Kombination im intakten Originalzustand schon fast auf dem Niveau der darauf folgenden Vollverstärker HK6800 / HK6900 / HK6950R, die in meinen Augen zusammen mit dem etwas verändert konstruierten Line-Vollverstärker HK680 den bisherigen Höhepunkt des Stereo-Verstärkerbaus bei Harman/Kardon bilden. Dieses etwas höhere Niveau überflügelt diese Kombi mit Ihrer extrem aufwendig konstruierten diskreten Vorstufe nach der Revision spielend.

Revision der Vorstufe:

  • kompletter Tausch aller Elektrolytkondensatoren gegen Panasonic HA/FC/FM 105°C, Nichicon Muse (bipolar) sowie WIMA MKS2/02.
  • komplette Demontage, Nachlöten und Reinigung des gesamten Geräts
  • ausfühliche Reinigung und Versiegelung der Bedienelmente und Schalter, Entfernung aller aggressiven Kleber-Reste.

Geschichte der Revision: Die ersten dieser Geräte habe ich schon Ende der 80er Jahre bearbeitet, wobei ich mich dabei an einen Fall erinnere, in dem schon damals gefälschte Transistoren im Spiel gewesen sein müssen. Mit Beginn der Selbstständigkeit habe ich diese Gespanne öfters bei ebay gekauft und nach relativ einfacher Reparatur der Funktion zum Mitnahmepreis von ca. 300€ angeboten. Zeitweise war alles verkauft, nach und nach habe ich auch einen festen Arbeitsplan für diese Modelle entwickelt, der weit über normale Reparaturen hinaus geht - und klanglich auch deutlich über den Neu-Zustand. 2014 hatten sich wieder mehrere Gespanne gesammelt, die ich nun abschließend dokumentieren und in Umlauf setzen möchte, denn das Gebiet "Harman-Revisionen" überlasse ich gerne Hifi-Zeile, ich bin z.Zt. anderweitig voll ausgelastet - heißt nicht, dass ich den Auftrag ablehne, wenn jemand solche Geräte unbedingt lieber bei mir machen lassen möchte - beim Herrn Wittig bekommen Sie allerdings völlig vergleichbare Arbeit zu vergleichbaren Preisen.

Der Aufwand, so eine umfangreich ausgestattete Vorstufe zu überarbeiten, ist jedenfalls beträchtlich, ich selber schaffe eine Vorstufe in ca. 1,5 Arbeitstagen, mein Aushilfs-Kollege braucht z.Zt. noch in etwa doppelt so lange. Insbesondere das "Silber putzen" und Kleber entfernen hält auf, ersteres betrifft sämtliche Versilberungen in den Signalschaltern und Potentiometern, Silber zieht aus der Luft mit aller Macht Schwefel an und bildet eine braune Sulfit-Schicht, die muss von allen Kontakten Rückstands-frei entfernt werden, sonst kommt es immer wieder zu Aussetzern oder Verzerrungen. Und solche Kontakte sitzen stets im Innersten der eigentlichen Bedienelemente, man kann insofern mit Abzählen der Knöpfe an der Front schon grob mutmaßen, wie lange einen ein solches Gerät wohl beschäftigen wird, bis wieder ein einwandfreier Signal-Fluß möglich ist.

Die erste Prüfung ergibt meist deutliche "Standschäden", nie gereinigte und eventuell sogar von Vor-Reparateuren falsch behandelte Bedienelemente darf man nicht mehr lange ohne Betätigung stehen lassen, sonst ist auch die letzte, dürftige Kontaktgabe völlig dahin. Spass macht das Gerät so jedenfalls nicht mehr. Beim Test setzen häufig auch einfach alle Schalter aus. Die Regler nicht so sehr, die "kleinen" kommen bei mir eher präventiv in den Ultraschall, der große Lautstärkeregler ist im Grunde ein über jeden Zweifel erhabenes, ein riesiges, geschlossenes Alps-Potentiometer, das auch heute noch ein Vermögen kostet. Solange man das nicht mit Gleichstrom beschickt, macht es kaum Faxen, dennoch öffne ich es inzwischen stets und bringe den Schleifer wieder auf Glanz.

Was bei diesem großen Potentiometer übrigens weit schlechter ist, als bei der kleineren blauen Serie von Alps: die beiden Ebenen lassen sich in Sachen Startpunkt bzw. Gleichlauf nicht nachträglich abgleichen, bei den blauen dagegen gibt es eine seitliche Service-Öffnung, durch die man den hinteren Schleifer an seiner gezahnten Rückseite mit einem kleinen Schraubendreher halten kann. Wenn man dabei eine Pegel-Vergleichsmessung (Zweistrahl-Oszilloskop, beide Kurven aufeinander abgebildet) macht, kann man am Bedienknopf auf minimale Abweichung hin korrigieren. Beim großen teuren Bruder geht das nicht...

Übersicht zu Beginn der Bearbeitung

zum Vergleich ein revidiertes Gerät

Das Gerät wird in alle Einzelteile zerlegt. Nachdem ich unter den von mir ohnehin nicht sehr geschätzten "ELNA for Audio"-Elkos auch noch ausgelaufenes Elektrolyt gefunden habe (was manches zeitweise Prasseln und z.B.  DC-Drift beim Betätigen des Lautstärkereglers erklärt), gehört die Komplettreinigung und vollständigem "Recap" zum Arbeitsplan. Die Netzteil-Ladeelkos werden zu Panasonic HA mit 6800µF, Alle anderen Elektrolyt-Kondensatoren in Netzteil und Steuerung werden mit Panasonic FC und FM (alles 105°C-Typen) bestückt, in der Steuerung für kleine Werte sogar gleich Wima-Folien eingesetzt.

neue Folien in der Steuerung

ätzend verklebte Elnas vorher

Die Platine wird von dem aggressiven Kleber befreit, mit dem damals nicht nur Harman seine Elkos zusätzlich fixiert hat, dieses Teufelszeug frisst Kupferbeine von Bauteilen einfach durch, wenn während der Produktion ein Spritzer auf einen Kohleschicht-Widerstand geraten ist, dann hoffentlich auf einen niederohmigen: Werte ab 10kOhm haben eine so dünne Schicht, dass der durch den Lack diffundierende Kleber sie einfach durch nagt. Daher erneuere ich um die Klebestellen herum auch etliche Bauteile. Ein befreundeter Chemiker hat kürzlich vermutet, dass es sich bei dieser Art Kleber um ein Phenol-Harz handeln könnte, das eine dauerhafte Säure-Wirkung ausübt.

Das Relais am Ausgang bleibt bei mir übrigens unbehandelt, es ist als Öffner gegen Masse beschaltet und kann das Signal im betätigten, freigegebenen zustand nicht beeinträchtigen. Auch sehen die Kontakte i.d.R. blank aus und die Funktion ist perfekt - Ersatz dagegen schwierig, der Typ samt Rastermaß ist obsolet. Immerhin kann man bei Bedarf einfach die Abdeckung abnehmen und mit Papierstreifen, Politur und Kontaktwäsche (und abschließend einem kleinen Tröpfchen Schutz-Öl) die perfekte Muting-Funktion ohne großen Aufwand wieder herstellen.

Panasonics auf Rückstands-frei vom Kleber befreiter Platine nachher
- umgeben von erneuerten Widerständen

das überarbeitete Netzteil noch mit demontiertem Kühlkörper und Transistoren.

bipolare Elkos rück-eingetauscht

Harman hat zur Fertigungs-Zeit der HK825 zur Signal-Kopplung gerne statt eines bipolaren Elektrolyt-Kondensators zwei gegeneinander gepolte polare Elkos verwendet, wohl aus Liebe zu den verwendeten Elna-Audio-Typen oder deren Preis. Ich bin der Meinung, dass ein Gehäuse weniger und ein symmetrisch innerlich doppelt aufgebauter Bipolar-Typ dieser Alternative überlegen ist und mache die Sache rückgängig, wo ich sie vorfinde.

Und sonstige Vorkommnisse...

..müssen auch berücksichtigt werden.

auf letzten Bild sieht man, was so einem Gerät sonst noch zufällig so zustoßen kann, im linken Bild die Abhilfe:

Hier war eine Line-Ausgangsstufe "hoch gegangen", weil sich die drei in einem Gehäuse zusammengefassten Dioden für die Vorspannung an den End-Transistoren (also die Ruhestrom-bestimmenden Bauteile) innerlich aufgelöst hatten - eine Kontakt-Unterbrechung hier lässt den Ruhestrom eskalieren, die Class-A-Ausgangs-Stufe stirbt dann. Man braucht allerdings nicht zwingend genau die originale Dreifach-Diode, drei 1N4148 in Reihe tun es absolut genauso.

 

Netzteil und Ausgang - die Ladeelkos des Netzteils, neue Panasonic HA 105°C, oben noch mit 4700µF bestückt, rechts bereits mit 6800µF.

 

Unten: Die Eingangs-Umschaltung für Den Haupt-Ausgang und die Tape-Aufnahme-Buchsen laufen über Alps-Dreh-Schiebe-Schalter in der Nähe der Eingänge - durch Achs-Verlängerungen von der Front aus bedient. Den Ausbau zwecks Reinigung erleichtert diese Anordnung natürlich nicht. Der verlängert bediente kleine, weiße Druck-Schalter betätigt einen der Magnet-Schiebeschalter in der rechten hinteren Ecke für wahlweisen MM/MC-Betrieb, der andere Magnet-Schiebeschalter dient zur Wahl der Phono-Eingangs-Buchse. Interessant an diesen Umschaltern ist, dass sie bistabil arbeiten, also mit einem kurzen Impuls an einer der Betätiger-Spulen auskommt. Ein u.U. Signal-beeinflussendes Dauer-Magnetfeld wie bei einem eingeschalteten Relais gibt es in keiner der beiden Positionen.

Unter der schwarzen Abdeckung verbirgt sich bei einigen Exemplaren  die MC-Vor-Vorstufe.

Unten: Die Druckschalter-Reihe muss ausgelötet werden, alle Schalter aus der Metall-Halterung entnommen, zerlegt, an den Kontaktflächen poliert, gepült, Ultraschall-gereinigt und per Schutz-Öl versiegelt werden, danach alles rückwärts, die gegenseitige Entriegelung der Knöpfe benötigt erhöhtes Fingerspitzen-Gefühl bei der Wieder-Montage.

Mit noch abgebauten Schaltern und Relais werden je nach Bedarf die Platinen gewaschen und getrocknet, die  anschließende Montage geht nicht unter zwei Stunden ab, es ist ja sogar der Trafo an den Pfostensteckern abgelötet und der Netzschalter entnommen. Die Durchführungen der Schalterachsen werden, falls nötig, nach der Gehäuse-Innenreinigung neu verklebt, die Knöpfe geputzt...

die kompletten, ausgebauten Haupt-Platinen, bereits überarbeitet

Revision der Endstufe

HK870 in der Übersicht

Die Endstufe HK870hat natürlich keine anfälligen Signal-Schalter und Regler, die Revision nimmt daher kaum die halbe Zeit in Anspruch wie die der Vorstufe HK825.

  • Austausch aller kleinen Elkos
  • Austausch der Treibertransistoren, bei Bedarf auch der End-Transistoren samt Isoliermaterial gegen hochwertige und Toshiba- und SANKEN- Typen,
  • Platinenreinigung,
  • neue Trimmpotentiometer zur Offset- und Arbeitspunkt-Einstellung

Die ersten Exemplare der HK870 hatte ich nur "repariert". Reparatur heißt vor allem, dass Lötstellen nachgearbeitet, unter Kleber angefressene Leiterbahnen repariert und verstärkt wurden und Ruhestrom und Offset neu eingestellt sind.
Inzwischen hat sich auch für die Endstufe ein fester Arbeitsplan ergeben, eine Sammlung unverzichtbarer Punkte. Die werden ganz oder gar nicht ab gearbeitet, denn ich will bei mir bearbeitete Geräte nicht vorzeitig wieder sehen, wenn ich es irgendwie vermeiden kann...

Bei diesem Endstufen-Typ fallen Endtransistoren öfters wegen o.g. Unterbrechungen aus, wechselweise repariere ich sie mit einem kompletten Satz neuer Toshiba- oder Sanken-2-Loch-Transistoren oder mit den deshalb bei der letzten Reparatur heil entnommenen Original-Transistoren, in der Regel sind von acht Transistoren ja nur zwei oder drei defekt, meist ein Kanal völlig intakt.

Folgen des Klebers: 35µm-Kupfer-Leiterbahnen werden mit den Jahren einfach durch geätzt

Nur wenn ein Treiber defekt war oder es unqualifizierte Vorarbeiten gab (z.B. mit gefälschten oder minderwertigen Exemplaren), habe ich früher auch einen kompletten Satz neuer, leistungsfähigerer Toshiba-Typen eingesetzt.

Von Ahnungslosen eingebaute Transistoren - einzelne ISC- und Cdil-Ersatztypen mögen ja irgendwie auch funktionieren, gefälschte Toshibas wie hier sind schlimmer...
...bei mir muss so was dann aber generell (wieder) raus und erster Wahl weichen.

Im Rahmen der Revision ist inzwischen ein neuer Satz Treiber Pflicht. Alle Trimmer und Elektrolyt-Kondensatoren der Treiber-Platine werden ebenfalls turnusmäßig erneuert. Wo nötig, wird die Platine gewaschen.

Sauber neu bestückt und nachgelötet: Bourns-Trimmer, Toshiba-Treiber, Panasonic-Elkos

Wo es Vor-Schäden oder unbrauchbare Vor-Arbeiten gab, sind auch alle Widerstände an der Stecker-Kante zu prüfen und ggf. zu erneuern - die Original-Treiber neigen einfach zu Ausfällen (der Typ hat in dieser Herstellungsperiode offenbar Probleme mit den inneren Kontakten) und weichen vollisolierten aktuell lieferbaren Toshiba-Nachfolge-Typen.

...auch hier gab es Vorarbeiten, ich tausche dann die niederohmigen Widerstände durchgehend in 1W-Vishay MOX-Typen, die sind robust, kompakt und gehen bei Problemen nicht in Flammen auf...

Wie bei der Vorstufe tausche ich die in Reihe geschalteten polaren Eingangs-Koppel-Elkos inzwischen stets gegen einen einzelnen bipolaren Elko.

    

Elna for Audio polar gegen Nichicon Muse bipolar

Schließlich kommt noch eine Menge Mühe an der Unterseite dazu. Ausgefallene Treiber und vom Kleber durch gefressene Leiterbahnen können auch die End-Transistoren beschädigen - und auch hier gibt es oft wenig qualifizierte Vor-Arbeiten. Ziel der Bearbeitung ist nun die Beseitigung des Klebers und seiner Folgeschäden an den Leiterbahnen, dazu ein in jeder Beziehung gleichmäßiger, hochwertiger und robuster Satz Leistungs-Transistoren.

Aggressiver Kleber wurde zur Befestigung von Litzen-Kabeln verwendet, Ausfälle waren vorprogrammiert.

In diesem Bereich ist große Vorsicht angesagt, denn die Endstufe wird zu Schutz- und Stumm-Schaltungs-Zwecken nicht per Relais vom Ausgang getrennt, sondern man legt Harman-typisch einfach alle (Ruhe-) Ströme lahm, indem man die Stromquelle des Eingangs-Vergleichers per Kurzschluss ihrer Referenz-Spannung abschaltet. Die Folge ist eine Total-Sperrung aller Transistoren, es fließt ein klein wenig Strom durch Widerstände auf der Treiber-Platine und entleert so das separate Netzteil der Eingangs- und Spannungs-Verstärker-Stufen. Im Endstufen-Bereich dagegen herrscht tatsächliche Vollsperrung, es gibt keinerlei Entnahme - die Entwickler haben dafür keinen Entlade-Widerstände vorgesehen. Und so bleibt das Endstufen-Netzteil jeder auch nur noch halb funktionierenden HK870 schon nach einmaligem Ein- und Aus-Schalten voll beladen, eher Wochen- als Stunden-lang. Man hat es da mit vier vollen 63V-10.000µF-Hochstrom-Becher-Elkos zu tun, wer das vor dem Löten nicht auf dem Zettel hat und versäumt, zuerst die Elkos von Hand (über einen Strom begrenzenden Widerstand!!!) zu entladen, kann leicht eine blitzende und knallende Überraschung erleben und auch bei ausgeschaltetem, vermeintlich Strom-losen Zustand den einen oder anderen noch intakten End-Transistor "himmeln".

Nach Leiterbahn-Reinigung, flicken und verzinnen werden die Kabel mit Heißkleber wieder befestigt.

Wo derartig beschädigte (oder wieder schlecht fremd bestückte) Leistungs-Transistoren zu finden sind, wird wieder ein zusammenhängendes Oktett gebildet, z.B. mit NOS-Original-Ware, ausgebauten intakten Exemplaren oder eben M200-Allegro-Sanken-Transitoren.

Wichtig dabei sind wirklich übereinstimmende Typen, gleicher Hersteller, gleiches Alter, gleiche Klassifizierung des Verstärkungsgrades (O, R, Y...)

Wieder montierte Abdeckungen

 Erst nach Abschuss all dieser Baustellen und Teil-Prüfung per Hameg Komponententester lässt sich wagen, das Gerät wieder unter Strom zu setzen. Etwas Geduld benötigt dann die Einstellung von Ruhestrom und Offset. Zu den letzten Arbeiten gehört auch die Wieder-Montage der zusätzlich kühlenden Abdeckungen der End-Transistoren.

Was ich nicht anfasse, sind die großen Becher-Elkos, je vier - einmal hinten für Leistungsteil/Stromverstärker und einmal vorne für die Treiber-Platine (Differenzverstärker/VAS). Im Gegensatz zu den ganzen kleinen Elna "for Audio", "Silmic" -und-Co-Typen mit ihrer übertriebenen Innendämpfung, der Überbetonung von Verzerrungs-Armut und Analyse zu Lasten von Lebendigkeit und Musikalität, finde ich die Elna Becher-Elkos gut und passend in diesem Zusammenhang. Entsprechend haltbar sind sie sogar auch noch, jeder Ersatz zudem würde eine lange Recherche und Probier-Phase voraussetzen. An sich ist das Gerät in dieser Beziehung ab Werk völlig stimmig. Das Geld für hochwertigen Ersatz kann man sich insofern schenken, sofern man nicht ein deutliches Nachlassen der Becher bemerkt, doch das hatte ich noch nie.

Inbetriebnahme - hörbare Resultate

Kommentar eines befreundeten Kunden zu dem Pärchen an meinen BEAT-Lautsprechern:
"sonst haben mir die Lautsprecher nicht so gefallen", Kommentar aus Nürnberg von einem befreundeten Verkäufer "in der Vorführung an meinen großen AQ-Lautsprechern bisher das beste match".

Wenn man den reinen "Elna-Klang" der Basis-Geräte noch im Ohr hat, ist man wirklich erstaunt, wie rund und musikalisch die ohnehin nicht ganz schlechten Harmänner geworden sind, weg ist die Überdämpfungs-Analytik, geblieben ist die Führungs-Stärke und Strom-Lieferfähigkeit.
Revidiert spielt das Gespann auch Vorteile gegenüber den großen Nachfolge-Vollverstärkern aus, abgesehen davon, dass eine unterschiedliche Endstufen-Topologie vorliegt (Stromverstärker bei der HK870: Darlington-Emitterfolger, HK6800/6900/6950R Compound-Endstufe in Sziklai-Schaltung), was etwas unterschiedliche Arten von Lautsprechern bevorzugen kann. Auch zeigt die Endstufe gegenüber den Vollverstärken eben einen konsequenteren Dual-Mono-Aufbau ab den Gleichrichtern und eine in meinen Augen weniger komplexe Schaltung.

Die Vorstufe wiederum kann man völlig unterschätzen, wenn man sie nur aus dem Gedächtnis im Original kennt oder gar den stets verschlissenen Zustand gebrauchter Geräte in der Gegenwart zu Grunde legt. Im Original ist das Gerät ein gehobener Japan-Allerwelts-Vorverstärker. Zwar sind die Platinen aus Hartpappe und neigen zu lockern Lötstellen und dergleichen, ein damals noch typisches Merkmal der Industrie-Fertigung, doch Schaltung wie Versorgung sind wirklich gut und aufwändig gemacht, insbesondere der Phono-Aufwand ist gigantisch (im Grunde das halbe Gerät) und will nur aus ihrem Spar-Schlaf geweckt werden, indem man mal "durch putzt".

Die HK825 hat sich ein Bayreuther Kunde unter meiner Leitung für seine (ebenfalls selber hier revidierten) AVM-Monos her gerichtet und ist begeistert, ich ebenfalls - diese Vorstufe (so man eine braucht) ist nach Revision in ihrer resultierenden Preisklasse überhaupt nicht zu schlagen, sauber, druckvoll, farbig und gut gestaffelt - da habe ich in der 1000-Euro-Klasse noch keine ernst zu nehmende Konkurrenz gehört, weder neu, noch gebraucht. Nach Revision laufen diese Geräte wieder völlig störungs-frei und spielen in der gewählten Fein-Abstimmung so rund und lebendig wie nie.

Als Vor-End-Kombi liegt das Ergebnis in der Preisklasse um 1500€ mit 3 Jahren Garantie - o.k., man bekommt für das gleiche Geld öfters mal einen nicht revidierten älteren Symphonic Line RG9, der vielleicht auch noch gut funktioniert. Der allerdings braucht dann irgendwann auch eine Überholung und zieht dann preislich um einen Tausender davon, außerdem gibt es einige Bedien- und Kombinations-Möglichkeiten, bei denen die HK825/870 besser passt. Insbesondere diverse Retro-Anlagen sind mit den Harmännern stimmiger und günstiger aufzubauen. Und wer selber akustisch seine Sachen zusammen kombiniert, wird ebenfalls feststellen, dass in bestimmten Räumen an bestimmten Lautsprechern so ein Kandidat manchmal alles andere schlägt.

Zum äußeren Eindruck der Serie:

Die Fronten und Knöpfe sind alle aus echtem Metall, eloxiertes Alu. Leider hat es Harman trotz eines für meinen Geschmack recht schlichten, guten Stil-Empfindens teilweise geschafft, dass die Geräte ein wenig nach "Plastik" aussehen - das kann allerdings auch ein rückwirkender Eindruck sein, denn erst nach der Entstehung dieser Serie haben chinesische Massenprodukte zuerst Plastik-Fronten im "Metall-Look" besessen, danach sogar massive Metall-Fronten im "Plastik-Look" (siehe die Creek Evolution-Serie, der komplette Monacor-Katalog als Gerät, ein Zentimeter Front-Alu und sieht trotzdem irgendwie aus wie eine PET-Cola-Flasche...).

Jedenfalls sind die Harman HK825/HK870 in diesem Bereich extrem wertig gebaut, nur Details haben ein paar sparsame Andeutungen (die Seitenteile der Front sind z.B. Kunststoff). Allerdings sind Kratzer im eloxierten Alu auch störender, als in anderen Materialien, man kann sie einfach nicht "ausbessern" oder auch nur gut verdecken.

Empfehlung Spielpartner

Dazu unbedingt empfehlen muss ich als Quelle einen Harman-CD-Spieler, wie man es dreht und wendet, die passen immer eine Klasse besser zu den eigenen Verstärkern, als gleich teure Konkurrenz-Produkte.

Was ich überhaupt nicht empfehlen kann:

...ist der Tipp der Audio zur HK870 aus den 80er-Jahren, eine Art Brückenschaltung sei der Stein der Weisen.
Das Vorgehen:
Man nutzt zwei HK870 jeweils als "Mono-Block", indem man einen Eingang per Kurzschluss-Cinch-Stecker auf Masse legt und den anderen Kanal mit je einem Stereo-Teilsignal beschickt. Der Lautsprecher-Minuspol wird dann nicht etwa an der vorgesehenen schwarzen Klemme befestigt, sondern am "heißen" (roten) Pol des anderen, stillgelegten Kanals.
Damit hängt der Lautsprecher zwischen zwei Endstufen, von denen eine mit vollem Strom-Aufwand reagierend versucht, auf der Nulllinie zu bleiben. Alle Ströme werden dabei nicht vom eigenen Netzteil des Spannung verstärkenden Kanals wieder aufgenommen, sondern müssen über den jeweiligen Gegenpol des anderen Netzteils zurück zur Masse. Alles natürlich mit der doppelten Signal-Laufzeit bei zweifachem Innenwiderstand und unter mehr als verdoppeltem Leistungs-Verlust. Denn die zweite Stufe kann erstens auf Änderungen nicht schneller reagieren, als die erste, und zweitens fließt ja der gesamte Strom bei gleicher Betriebs-Spannung zusätzlich durch das zweite Netzteil, die Stromaufnahme aus dem Netz wird sich exakt verdoppeln und diese zusätzliche Leistungsaufnahme verteilt sich in diesem Fall nicht auf Lautsprecher und Kühlrippe, sondern heizt komplett nur den zweiten Kanal des Verstärkers auf.

Das hat mal ein Kunde gelesen gehabt und wollte es unbedingt so machen, ich habe im Rahmen der Aktion das ganze hier durch gespielt und angehört, es klingt trotz allen Lobes fürchterlich - völlig überspitzt setzt diese Verschwendungs-Variante dem Geschehen falsche Glanzlichter auf (weil sie den Transienten schlechter folgen kann) und raubt dafür dem Klangbild Bass-Fundament und -Kontrolle, da gehe ich absolut nicht konform mit den lobhudelnden Beschreibungen, alles was sich in angeblich positive Richtung ändert, ist in Wirklichkeit schlicht völlig verkehrt.
Ihm hat's gefallen, da konnte man nichts machen, das ist dann auch nach viel Aufwand eskaliert, ich hatte den Gegenvorschalg gemacht, jeweils nur einen Kanal zu betreiben und dafür die Rechts-Links-Netzteile parallel zu schalten (klang Welten besser).
Er hätte aber eine Test-CD, auf der würden Murmeln in eine Metall-Wanne geworfen. So wie ich die Endstufe abgeliefert hätte, würden sie nicht so gut "perlen" wie vorher.
Ich wollte schon fragen, ob er außer seiner Test-CD auch irgendwelche CDs mit Musik hätte, so was mit "Menschen drauf".
Hab ich gelassen, bei halb tauben, reinen Testplatten-Hörern zudem mit nur angelesenem "Fachwissen" kann man sowieso nichts erreichen - "Du kannst mir zeigen was Du willst, ich seh' nur was ich glaub'"...
Der Leser kann sich ja mal fragen, warum dieser "Geheimtrick" im Gegensatz zu vielen anderen, fundierten Hobby-Tipps in Industrie und Handel seit Jahrzehnten nie aufgegriffen wurde...

Nein, nutzen Sie die HK825/870 einfach genau so, wie sie gedacht war!