Halbautomat - Pult-Anlage

Thorens Compact 2
TD150 Receiver komplett mit gebrauchtem Shure System

Preis VB
1 Jahr eingeschränkte** (siehe ganz unten) Garantie*
*allgemeine Erläuterung siehe Garantiebestimmungen

...steht im Moment zu Vorführ-Zwecken bei

AudioVideum
Wiesenstr. 57-63
90443 Nürnberg

  • Laufwerk TD150
  • Tonarm TP13 (by EMT!) Tonarmlift
  • gebrauchtes Original-System
  • Zweiteiliger Plattenteller auf federgelagertem Subchassis
  • Geschwindigkeits-Umschaltung 33rpm/45rpm
  • Riemenantrieb Netz-Synchron-Motor/Platten-Innenteller.
    Verkauf mit neuem Rolf-Kelch-Riemen.
  • UKW-Radio
  • Endverstärker mit Germanium-Transistoren
  • Original-Lautsprecher vorhanden

Das Gerät habe ich vor Jahr und Tag zur Reparatur bekommen, die Germanium-Transistor-bestückte Endstufe war defekt, eine Basis-Emitter-Unterbrechung, wie es damals öfter vorkam (ein Problem, das erst mit RoHS fast verschwunden ist, anscheinend befördert die Verwendung weniger giftiger Materialien auch die Haltbarkeit einzelner Komponenten).
Der Aufwand war groß, da die verwendeten Teile nicht mehr allzu üblich sind. Ich habe nahezu baugleiche Germanium-Typen erster Wahl aufgetrieben, wie die Originale im für damalige Zeiten recht großen TO3-Gehäuse. Die Quasi-Komplementär-Endstufe ist neu abgeglichen und funktioniert wieder einwandfrei.
Natürlich sind die vielen Dreh-Regler und Schalter nach jahrelanger Nicht-Betätigung beim Drehen nicht mehr ganz still gewesen, auch nach der Reparatur war das Gerät kaum in Benutzung, so dass da  zunächst Geräusche auftreten könnten. Ich habe die Regler allerdings nur mit Spezialreiniger (Tunerspray) gespült und sie dabei bewegt, dieser Reiniger verdunstet rückstandsfrei, dadurch wird die Lebenserwartung nicht verkürzt, wie bei den meisten aggressiven Kontakt-Sprays. Man kann bei Bedarf die Regler ausbauen und reinigen, der Aufwand ist allerdings extrem groß, bei normaler Betätigung reiben sich die Schleifer normalerweise auch so wieder frei.

An diesen Teilen habe ich mich - wie am Gehäuse - also nur äußerst sparsam betätigt. Die seitlichen Zierstreifen waren komplett abgelöst (Alterung des Klebers), die sind jetzt mit doppelseitigem Klebeband vorsichtig wieder eingefügt, ließe sich natürlich auch wieder entfernen. Das Gehäuse ist dem Alter entsprechend noch gut erhalten, von ein paar Kleinigkeiten mal abgesehen, wie z.B. ein paar Kanten-Abplatzungen.

Stilistisch eine Ikone

Also ich weiß ja nicht, wie der Leser das Design findet, ich fühle mich bei dem Anblick in Kinosäle meiner Kindheit, ins alte Sprachlabor meiner Schule, in die Zeit des Wettlaufs zum Mond zurück versetzt. Die Linienführung würde manchem Braun-Gerät alle Ehre machen, spätere Generationen hätten das Aussehen schlicht mit "cool" bezeichnet. Ich konnte bisher keinerlei Angaben zu dieser Bauserie auftreiben, ich schätze - das haben Sie bestimmt auch schon geraten - das Gerät stammt aus der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, vielleicht so 1965/66.

Dazu passt auch der eingebaute Schatz von einem Plattenspieler,

ein Thorens TD150

mit TP13 Tonarm (noch ohne Anti-Skating, Einstelllehre unter Plattenteller)
und Shure M31E Tonabnehmer, Ersatznadel fast neu.

Die noch vorhandenen Original-Lautsprecher sind nicht mehr so gut erhalten, sehr verkratzt und da zur Zeit der Reparatur der eine DIN-Anschluß in das Gehäuse gerutscht war, wurde die Rückwand aufgeschnitten und wieder verschraubt und verleimt. Der Eigentümer, der das Gerät hier in Kommision zum Verkauf stellt, wollte aus Kostengründen für die verkratzten Gehäuse nicht extra eine Schreinerei und danach einen Lackierer konsultieren - was natürlich nach wie vor möglich ist, auch für die Restauration anderer, kleiner Gehäuseschäden am Hauptgerät. Inzwischen ist der wieder befestigte DIN-Anschluß in der Box anscheinend aus der Verschraubung gebrochen, man müsste da also nochmals dran - da könnte man natürlich auch eine komplett neue Rückwnd einsetzen und das Gehäuse neu im Originalton (mattes Grau) lackieren. Ist der Farbton dann erst einmal exakt nachgemischt. kann man auch alle kleinen Kratzerchen am Receiver damit unsichtbar machen.

Nutzung

Man steht bei der Kombi eigentlich vor der Qual der Wahl: betreibt man das ganze als historisches Gesamtpaket, dann sollten die Lautsprecher restauriert werden und man gibt sich mit dem Klang der Original-Elektronik zufrieden, die ehrlich gesagt so übel gar nicht ist.
Will man allerdings das Potential des Plattendrehers ausloten, dessen Phono-Kabel mit Din-Stecker hinten herausgeführt und am Verstärker-Eingang wieder eingesteckt ist, so müsste man eigentlich statt dessen an einem moderneren Verstärker anstecken, die Plattenspieler-Mechanik ist nämlich etlichen neueren Konstruktionen meilenweit überlegen. Zwar hat der TP13-Arm noch kein Anti-Skating, manche High-Ender diskutieren diese Kompensationsmaßnahme für den Kraftvektor jeder Dreharm-Aufhängung außerhalb der Schallpatten-Fläche bis heute kontrovers. Tatsächlich ist der Reibungs-Druck auf die Innenrille ohne Ausgleichskraft immer die größere. Bei extrem kleinen Nadelverrundungen wäre der TP13 daher möglicherweise auch nicht tolerierbar. Mit dem gutmütigen Shure-System oder ähnlich konzipierten Wandlern ist das allerdings kein wirkliches Problem. Da zeigt der Arm, dass eine ansonsten solide Kern-Mechanik, amtliche Lager und gute Skalierbarkeit auch durchaus ohne die moderne Ausgleichs-Zutat gut funktionieren. Das Modell wurde nach meinen Recherchen von dem Tonstudio-Ausstatter EMT entwickelt und gebaut, deren Studio-Plattenspieler  werden preislich seit eh und je jenseits von Gut und Böse gehandelt. Und auch diese Studio-Geräte arbeiten mit großen Massen, schweren Abnehmern mit hohem Auflagegewicht und großen Verundungs-Radien. Vermutlich bei einigen Studio-Armen ebenfalls ohne Antiskating-Vorrichtung.
Die Weglassung von "herumresonierenden" Komponenten hat ja auch etwas gutes, am TP13 sind auch noch keine Komponenten für die Endabschaltung verbaut, schlichter geht's eigentlich nicht.    Und so spielt die Plattenspieler-Komponente dieses Plattenspieler-Receivers auch nach modernen Maßstäben erstaunlich frisch auf.

Zu empfehlen wäre übrigens, am zukünftigen Standort die Federn zu kontrollieren und gegebenenfalls nach allen Regeln der Kunst das Subchassis einzustellen - es gilt im Prinzip die Anleitung zum Linn LP12:
richtig eingestellt ist der schwingende Teil, wenn er sich in Ruhe absolut in der Waage befindet, alle Spaltmaße gleichmäßig sind und bei senkrechter Anregung im Schwerpunkt das gesamte Subchassis senkrecht kolbenförmig schwingt ohne im geringsten zu taumeln. Schwer zu erreichen, aber genau diese Einstellung lässt solche Dreher erst optimal laufen. Der Unterschied ist so frappierend, dass er im Vergleich mehrerer Geräte so ein Laufwerk völlig an die Spitze oder ans Ende der Konkurrenz befördern kann.

Man muß sich dazu folgendes veranschaulichen: sämtliche Nadelbewegungen übertragen nur dann optimal das Nutzsignal, wenn das System zwischen Arm und Platte für sämtliche Frequenzen eine gleichmäßigen Gegenkraft und Dämpfung erfährt, hier darf weder eine schräge Haltekraft noch gar eine quer liegende Resonanzüberhöhung existieren. Für keine Frequenz, für keine Beschleunigung sollen sich die Kräfteverhältnisse und Dämpfungsvorgänge ändern. Ist natürlich im wirklichen Leben nie erreichbar. Ziel kann dabei auch wiederum nicht die reine Dämpfung bis zum Maximum sein ( siehe wiederum wikipedia, der aperiodische Grenzfall bzw. der Kriechfall, auch das Kapitel periodische Schwingungen ). Das ist vielleicht die Methode, bei einem Disco-Technics jegliche Rückkopplung zu unterdrücken, alles in Gummi packen - High-End geht anders. Nein, man will bei einer geschickten Konstruktion Resonanzen vermeiden, indem man z.B. gegeneinander "verstimmte" Einzelkomponenten verwendet und dann nur relativ wenig dämpfen muss. Nehmen Sie beim  TD150/TD160/LP12 mal den Außenteller ab und klopfen Sie dran, dann an den Innenteller. Beide Male ein deutlicher Klingelton "piiiiing"/"baaaaang". Aufeinander gelegt ertönt aber auch ohne Matte nur ein  "tock". Die Resonanzen laufen sich an der Übergangsstelle tot.
Ganz wichtig ist (nicht nur bei einem Subchassis-Spieler), welche Gegenkraft der Abnehmer bei Auslenkung "sieht", der Durchschnittsvektor des Signals auf der Schallplatte ist genau senkrecht, die Duchschnitts-Richtung in der das Subchassis reagieren sollte, ist es demnach ebenfalls.
Die Feder-Entkopplung ist üblicherweise bei Thorens, Linn und Konsorten mit einer Grenzfrequenz weit unterhalb des Hörbereichs realisiert, das bedeutet aber auch, dass die Federung im Hörbereich bereits nahezu wie eine starre Verbindung reagiert. Die Gegenkraft für den Tonabnehmer, egal wie stark die Auslenkung ist, wird deshalb einerseits von der Subchassis-Masse, andereseits von der möglichst senkrecht angekoppelten Unterlage geliefert -  und von oben natürlich vom Arm, das Abnehmer-System ist so betrachtet nur drittrangig. In einer Zusammenstellung wertiger Komponenten verhält es sich auch genau so, wichtig ist zuerst das Laufwerk, dann der Arm und dann erst der Wandler! Der braucht ja auch erst mal etwas brauchbares zum wandeln...
Ist das Subchassis taumelnd eingestellt, reagiert der Abtaster auch im Hörbereich entsprechend. Subchassis-Laufwerke zeigen ihre schwächste Stelle deutlich genau hier, man nimmt das "Taumeln" am stärksten z.B. bei der Darstellung von Konzertflüglen oder Schifferklavieren wahr. Hier moduliert jeder Thorens, Linn, Manticore und wie sie alle heißen mehr oder weniger stark hörbar seine Subchassis-Seitenbewegungen ein. Am wenigsten natürlich auf einer guten Unterlage, wenn die Federn richtig eingestellt sind.

Das Gerät ist jedenfalls ein absolut seltenes Design-Sammlerstück. Vielleicht muss ich mit dem Verkauf geduldig auf einen Liebhaber warten, aber so ein knappes Gut kann ich keinesfalls verschleudern, zumal es, wie erwähnt, im Kundenauftrag verkauft wird.
Die Anlage ist ein absoluter Blickfang und schon der weit häufiger gebaute Nachfolge-Plattenspieler TD 150 II oder die Varianten des TD 160 werden oft schon über 150€ gehandelt - als reiner Plattenspieler. Zu diesem Modell habe ich aber bei ebay überhaupt keine Verkäufe finden können, weder aktuelle, noch beendete Angebote. Bei Audio-Markt finden Sie so ein Gerät auch nicht. Sowas hat also nicht jeder.

**       Die Garantie muss ich bei diesm historischen Gerät auf das machbare begrenzen.

Es könnte bei einem solchen 60er-Jahre-Receiver auch mal etwas defekt gehen, was sich nicht oder sehr schwer beschaffen lässt, so dass für Nachbessereung zumindest eine sehr lange Wartezeit und eventuell sehr hoher Aufwand durch Einzelanfertigung von Ersatzteilen entstehen würde. In diesem Fall ist die Garantie auf Wandlung (also Rücknahme) begrenzt. Natürlich könnte auf Wunsch und Absprache auch in solchen Fällen nachgebessert werden, allerdings nicht bei voller Kostenübernahme. Zu deutsch: wenn unvorhersehbar ein wirklich teueres Problem entsteht, so bin ich zur Rücknahme bereit bereit. Ich mag aber nicht mehr aufwenden, als ich durch das Gerät erlöst habe, in diesem Fall würde ich die Rückabwicklung bevorzugen.