Vollverstärker

Nytech CA302

Verkauf in Kommission für 470,-€
komplett revidiert, 3 Jahre Garantie*
*Erläuterung siehe Garantiebestimmungen

Eigenschaften:

  • Stahlgehäuse mit geneigter Frontplatte, schwarz lackiert in mittlerem Zustand, ein paar Kratzer oben und an den Kanten
  • großer Ringkerntrafo
  • 3 Line-Eingänge, davon
    1 Paar Cinch-Buchsen, der Rest DIN, davon wiederum 1 Tape-Schleife
  • 1 Phono Eingang Cinch, MM-Modul bestückt
  • Zwei Paare 4mm Lautsprecher-Buchsen
    switched/unswitched, also durch Kopfhörerbuchse geschaltet bzw. nicht, Bi-Wiring möglich

Revision:

  • Erneuerung aller Elektrolyt-Kondensatoren
  • Neue Einstell-Regler für den Ruhestrom
  • Reinigung und Versiegelung der Bedienelemente

Frontansicht: neue Schiebeknöpfe von Alps, Schrift der Quellwahltasten wie bei jedem dieser Geräte abgegriffen

Ein weiteres Urgestein

Unter den britischen Verstärkern der 80er Jahre gibt es ein paar Familien, denen man die Ähnlichkeit im Konzept ansieht. Der hier vorgestellte Vertreter der "Schuhschachtel"-Generation weist z.B. allergrößte Ähnlichkeiten mit den unter den Flaggen ION und Heed erschienenen "Obelisken" auf, Schaltungs-technisch besteht  natürlich auch mit späteren Nytech-Modellen weitgehende Deckung.

Die Ausstattung ist ordentlich, für die Komplett-Nutzung werden DIN-Kabel/Adapter benötigt

Stilistisch allerdings würde ich dieses Gerät eher in die 70er-Jahre zurück datieren, die angeschrägte Front, die Schieberegler, alles nicht mit den Design-Vorstellungen der 80er kompatibel. Auch die DIN-Buchsen sind eher ein Anklang an die 70er.

Eingangszustand innen

Sieht man sich nun das Innere an und vergleicht mit einem ION Obelisk (gleich welcher "Größe"), dann erkannt man sofort, dass man eigentlich das gleiche Gerät vor sich hat, da gibt es kaum Abweichungen.

Endstufe mit neuen Panasonic-Elkos - die großen koppeln den Lautsprecher an, neue Bourns Ruhestrom-Trimmer

Gut, was wir hier haben, zeigt im Layout noch ein paar axiale Elkos, wo später radiale üblich wurden, die Endstufen-Darlingtons sind noch in Form von je zwei Einzel-Transistoren eingebaut, doch im Grunde hat man den Aufbau des Obelisken in bereits ausgereifter und später auch nicht mehr wesentlich geänderter Form vor sich.

Phono-MM-Board hinter dem Netzteil

Kundengerät, hier mal hinterlassen

Das Gerät ist uns bei einem Kundenbesuch zur Verwertung in Kommission übergeben worden, inzwischen haben wir endlich mal eine zeitliche Lücke dafür gefunden und der Kleine hat uns die Mühe wohl vergolten:

Nach Reinigung der Schalter, Erneuerung sämtlicher Elkos und Trimmer, Reparatur der Endstufe und Beseitigung einiger Fehler auf der Vorverstärker-Platine hinter den Schiebereglern lässt sich der Kleine nämlich von seinen Obelisk-Nachfolgern nichts vormachen - er ist im Grunde schon genauso aufgebaut und er verhält sich allerhöchstens in Nuancen unterschiedlich.

Vorstufen-Spannungsregelung

Ein wenig schwierig hat sich noch das Schließen des Gehäuses gestaltet, der Kabelbaum zu den Bedienelementen gerät immer in den Weg. Doch dann hat er in schönster Insel-Manier los gelegt. Klar muss man sich jetzt nicht einbilden, so ein Zwerg mit Elko-gekoppelten Lautsprecher-Anschlüssen würde an Strom-hungrigen Monster-Boxen geringen Wirkungsgrades Berge versetzen. An meinen Bluesline "Beat" dagegen macht er eine äußerst runde Vorstellung, unangestrengt und flüssig spielt er, mit guter Kontrolle.

Eine Unart seiner Nachfolger und ähnlicher Konstruktionen teilt der CA302 übrigens: durch die unsymmetrischen Versorgungsspannungen jeder Stufe kommt es im Bereich der Lautstärke/Balance-Regelung zu Regler-Geräuschen bei Betätigung, ganz besonders direkt nach dem Einschalten und nochmal stärker mit den jetzt neuen Koppelkondensatoren. Das liegt einerseits an Ausgleichsvorgängen beim Ansteigen der Betriebsspannung und kurz danach, andererseits am niemals wirklich Null werdenden Leckstrom der als Koppel-Kondensatoren eingesetzten Elkos. Mit deren Alterung durch Benutzung nimmt der Effekt allerdings ab, auch ist nach einer gewissen Betriebszeit nach dem Einschalten fast nichts mehr davon zu merken. Nach dem Abklingen des Effekts und mit aufgewärmten Gerät ist klanglich davon aber nichts zu merken, ist also für den Musik- und Hifi-Liebhaber eher ein "akademisches" Problem.  

Das Regler-Board ist die Line-Vorstufe, hier gerade in Bearbeitung ohne Fader

Am schwierigsten war letztlich, noch ein paar halbwegs passende Knöpfe für die Schieberegler aufzutreiben, denn die waren verloren. Die jetzt verwendeten sind von Alps, nicht 100%ig original, aber akzeptabel.

Noch ein Übersichtsbild direkt nach dem Öffnen gemacht

Besonders positiv anzumerken ist bei diesem Modell, dass es für den Sammler nahtlos zum Onix OA20 und zum Naim Nait1/2 passt, da hier trotz abweichender Schaltung dieselbe Sorte Leistungstransistoren verwendet wird. Bei den Nytech/ION-Nachfolgern wurden zum Lautsprecher-Antrieb Darlington-Typen eingesetzt (Treiber und Endtransistor in einem Gehäuse als Emitter-Folger verschaltet), hier sind dagegen die Treiber noch separat bestückt und der Leistungszweig verwendet wie die o.g. zeitgleichen Mitbewerber die sehr angenehm klingenden BD911/BD912.

Und das merkt man einfach in den Klangfarben und im Übernahme-Verhalten, diese Endstufe verhält sich für ihre Topologie sehr "farbenfroh" und "Nerven-schonend", die harschen Übernahme-Effekte, die manche ähnlich aufgebauten Geräte mit anderer Bestückung produzieren, weichen hier einer minimalen und nahezu rein harmonischen Linear-Verzerrung, die das Signal eher "anhübscht" - anziehend statt abstoßend wirkt.

Dieser minimale Effekt ist zwar nicht ganz "korrekt", aber immerhin schön. Das Gerät lädt zum Hören ein, gerade weil es manchmal ein klein wenig dicker aufträgt. Sehr nett!