Vollverstärker

Naim Nait 3 (ca. 1995)

Preis mit 3 Jahren Garantie*
*Erläuterung siehe Garantiebestimmungen
ab 598,-€** (Abholpreis, zuzüglich Versandkosten) ohne Phono,
ab 748,-€** (Abholpreis, zuzüglich Versandkosten) mit Phono-Modulen nach Wahl - MM oder MC
**bei Inanspruchnahme Skonto

Revision:

  • Erneuern der kleinen Elektrolyt- und Tantal-Kondensatoren
  • Reinigen/Versiegeln Bedienelemente

Eigenschaften:

  • Gehäusedeckel Alu, vermutlich Pulver-beschichtet -  Kühlung auf Bodenblech
  • wahlweise Phono MM oder MC-Platine (auch Sonderanpassungen möglich)
  • 1 Line Eingang Cinch, wahlweise Phono MM/MC
  • 4 DIN Ein/Ausgänge
  • 2 Tape Schleifen
  • Quellwahl-Drucktaster
  • Tape-record Drucktaster

 

Meinung geändert

beim Nait 3 bin ich immer davon ausgegangen: der war in den 90er-Jahren grundsätzlich schlechter geworden, weil man die alte Konzeption verlassen hatte. Ist aber nicht so, auch in der Olive-Serie steckt im Kern, was in der ersten und zweiten Nait-Generation bereits verbaut war. Der Schuhschachtel-Charme war halt dahin, in Sachen Mikrophonie mag dieses durchaus besser und leichter zu fertigende Gehäuse im Standard-Maß durchaus auch andere Eigenschaften besitzen. Doch die Signalverarbeitung ist mit dem Nait 2 im Grunde identisch. Sehr empfindliche Eingänge auf DIN-Pegel-Niveau, gleich gefolgt von einer diskreten Pufferstufe und den Reglern für Lautstärke und Balance. Danach eine ganz schlichte verzerrungsarme und farbenfrohe Quasi-Komplementär-Endstufe mit BD743 - unter dem Naim Label NA005. Schlicht bis zum Abwinken, aber ausgesuchte Netzteil-Komponenten und alles schön kurz und Masse-arm.

In den 90ern war ich mal mit einem Freund in London und hatte bei einem Händler gebeten, den neuen Nait 3 mal hören zu dürfen ohne ihn gleich kaufen zu müssen. Und der Eindruck damals war nicht wirklich gut, wie er es zwischenzeitlich auch bei Experimenten mit dem Nait 1 und Nait 2 war - alles etwas ungenau und angerauht. Das kann ich mittlerweile klar einordnen: mit einem normalen CD-Spieler-Ausgang von etwa 2V effektiver Spannung darf man diesen Geräten nicht kommen ohne zu dämpfen. Das packt die Eingangs-Pufferstufe nicht ohne Verzerrungen und den nachfolgenden Lautstärke-Regler kann man gerade mal ein ganz kleines bisschen aufdrehen, dann wird es bereits zu laut. Typisches Pegel-Missmatch, noch begünstigt davon, dass der Lautstärkeregler nicht wie bei vielen Briten direkt nach der Umschaltung folgt, so dass die erste aktive Stufe trotzdem im vorgesehenen Pegel-Bereich bleibt.

Bis auf die Phono/Aux-Buchsen sind alle Anschlüsse nach DIN-Norm ausgeführt

Da sind wir damals genauso drauf reingefallen wie der vorführende Händler, der uns wohl eine Version ohne Phono-Boards am CD-Spieler vorgeführt hat, ohne sich selber bewusst zu sein, dass auch die Phono-Cinch-Buchsen über die interne Bypass-Brücke direkt und ungedämpft zum Puffer laufen, so dass die Empfindlichkeit eben auch auf DIN-Level liegt.

Fazit: Wer diesen Verstärker genießen will, hat drei Möglichkeiten:

  1. Naim-Geräte als Quelle verwenden
  2. Dämpfungsglieder/Dämpfungs-Adapterkabel verwenden
  3. Gerät modifizieren (lassen) um die Eingänge unempfindlicher zu machen.

Na und macht man alles richtig, dann ist der Unterschied zum 2er gar nicht so riesig, ist ja auch fast gleich geschaltet.
Und damit steigt auch meine Meinung zu dem Gerät beträchtlich. Gut, er treibt auch keine größeren Lautsprecher an als seine Vorgänger, hat denselben geringen aber  konstanten Dämpfungsfaktor wie z.B. auch die Exposure-Geräte, da er den gleichen 0,22Ohm Serienwiderstand im Lautsprecherausgang besitzt. Doch richtig kombiniert ist das kein Schaden, alles was die Vorgänger gut antreiben oder andere kleinen Schuhschachteln, das versorgt auch er vorbildlich. Dabei legt er die Naim-Tugenden an den Tag, die mich schon immer fasziniert haben: fast keine Schaltverzerrungen...

Innenleben unseres Nait 3

Andere Philosophie

Nun mal kurz zum Unterschied zwischen einem bei uns revidierten Naim und dem was Naim-Werkstätten häufig beim Service damit machen...
Die aus Salisbury übernommene Sprechweise ist: Die dicken Netzteile zählen, es werden für eine Überarbeitung bevorzugt die Lade-Elektrolytkondensatoren der Netzteile erneuert. Die kleinen Stützkapazitäten auf den Boards, die so mühevoll zu tauschen sind, die fasst man eher nur dann an, wenn es gar nicht anders geht, zumal die ja auch kaum Materialwert besitzen und somit auch keine saftigen Verkaufs-Preise erzielen und man wirklich den Zeitaufwand verrechnen müsste (igitt, warum haben sie da drin so lange gebraucht und warum ist denn da eine Stunde so teuer???!).
Da die Konzeption der Spannungsversorgung auch auf dicke Trafos und Lade-Elkos in Extra-Gehäusen nicht zuletzt per geschicktem und sicher auch mit viel Hörerfahrung gepaartem Marketing abgestimmt ist (DIE wissen genau was sie tun...), ist in der Schaltung alles darauf abgestimmt, auf bessere, dickere Zulieferer positiv zu regieren - insbesondere die auf jeglichem Board wiederkehrende Entkopplung per 47µF-(Tantal-)Elko gegen lokale Masse korrespondiert mit "ruhigeren" Netzteilen hervorragend.

Da mache ich aber nur ungern mit voller Zustimmung mit. Erstens sind es gerade die voluminösen Netzteil-Elkos, die eben nicht so leicht nachlassen - alleine schon ihr weit günstigeres Oberflächen-Volumen-Verhältnis und die dickeren internen Verbindungen begünstigen deren Lebensdauer.
Zweitens lehne ich trotz unbestrittener klanglicher Vorteile die viel verwendeten Tropfen-Tantal-Elkos ab - ja, die trocknen nicht aus, ja, die sind nahezu induktionsfrei und mit niedrigem Innenwiderstand - aber nach einer längeren Weile ohne Spannung fangen sie halt an zu prasseln und rauschen, sie lecken schlagartig bis hin zum Kurzschluss - und das für ein paar minimale Vorteile. Denn ein gut ausgesuchter Nass-Elko klingt vergleichbar gut, doch er macht bei seinem Ableben weder Geräusche, noch kann er das Gerät per Kurzschluss schwer beschädigen, er ermüdet halt schleichend und scheidet still aus dem Leben. Und das bei korrekter Auswahl auch nicht früher, als die o.g. Effekte bei der Originalbestückung eintreten.

In diesem Gerät sind also die hervorragenden Lade-Elkos drin geblieben und die Tantalen raus geflogen - und man möchte es nicht glauben - er klingt trotzdem gut!

Panasonic FC-Elkos dominieren jetzt auf dem Vorstufen-Board

Brandspuren beseitigt und gegen neue vorgebeugt

...das ist ein Punkt, da frage ich mich bei vielen nicht japanischen Herstellern, was man sich dabei eigentlich denkt.
Ganz kurz gefasst: reines Metall kann oxidieren, Metalloxid nicht. Wenn bei Fehlern im Gerät Überlast-Ströme durch Metallfilm-Widerstände fließen dann werden die extrem heiß - o.k. kein Unterschied bei den Widerstands-Bauarten. Aber der Metallfilm, der zündet irgendwann und verbrennt an der Luft unter starker Hitze-Entwicklung weit heißer, als durch den Zündstrom zu erklären ist, setzt jede Menge zusätzliche Energie frei. Und so brennen in ihrer Position fehl-besetzte Metallfilm-Widerstände Löcher in die Platine und verrußen die gesamte Umgebung.

In diesem Gerät musste die angebrannte Platine, was vermutlich nach einem externen Lautsprecherkabel-Kurzschluss passiert war, entsprechend von Brandspuren frei gefräst und mit Kunstharz rekonstruiert werden. Nur dass jetzt sämtliche für eine erneute Überhitzung in Frage kommenden Widerstände durch nur minimal teurere Vishay-1W-Metalloxid-Typen ersetzt sind - und die sind an den betroffenen Positionen alle niederohmig und toleranz-unkritisch, somit von Rausch- und Klang-Überlegungen absolut nicht betroffen. Jetzt kann man den Verstärker nach Lust und Laune wieder durch Fehlbedienung zerstören, die Platine wird trotzdem nie wieder ankokeln.

Merkwürdig, warum auf solche Details bei hochwertigem Hifi nicht häufiger Wert gelegt wird - Nachhaltigkeit und Brandschutz könnte man auch größer schreiben, wenn es schon nicht schlechter klingt. Wenn man wollte.
...ist bei vielen Briten und Deutschen so, Naim ist da eher die Regel als die Ausnahme...

man beachte die nicht brennbaren, rotbraunen Vishay Metalloxid-Widerstände, links oben im Bild jeweils unterhalb der Leistungstransistoren ist das verbrannte Platinenmaterial durch frisches Kunstharz ersetzt

Natürlich war mehr kaputt, als die Widerstände auf dem Board. Selbstverständlich haben wir alle betroffenen Halbleiter sowie ihre Zwillinge im anderen Kanal sorgfältig ersetzt, möglichst unter Rückgriff auf die originalen Typen oder ihre Nachfolger. Die Leistungstransistoren NA005/BD743 lassen sich auf dem freien Markt nicht mehr so einfach beschaffen, stattdessen bin ich einem Forum-Tipp gefolgt und habe mit gutem Ergebnis den technisch nahezu gleichwertigen US-Typ 2N6487 von ON-Semi eingesetzt. Die Endstufe ist absolut robust, betriebssicher und wohlklingend wieder hergestellt.

Phono wahlweise

Weil sie im Netz gerade angeboten wurden, als wir den defekten Nait 3 geschenkt bekommen und revidiert hatten, haben wir uns entschlossen, diese Phono-Boards zuzukaufen und mit anzubieten. Damit ist auch der Hintergedanke verbunden, dass wir "Mass nehmen" und diese Module in Kopie unserem Repertoire der Eigenfertigung hinzufügen. Die Arbeit hab ich mir bisher nicht gemacht, aber sollte jemand den Verstärker mit Phono kaufen, dann spätestens geschieht das schnellstens.

Die Module sind ab Werk mit extrem langlebigen, hochwertigen Axial-Elkos bestückt. Die würden wir drauf lassen, doch wer die Tantal-Elkos vorbeugend gegen Nasselektrolyt gewechselt haben möchte, kann das gerne auch so haben. Im Fall von Steck-Modulen man die aber auch ohne Bedenken drin lassen, denn gerade wenn man mutig genug ist, im Notfall selbst das Gehäuse zu öffnen und ein eventuell ausgefallenes Modul einfach einzeln zur Reparatur zu senden, dann lässt sich mit diesem nicht allzu großen Risiko leben.