Vorverstärker

Musical Fidelity 3A

Preis 589,-€ komplett revidiert, 3 Jahre Garantie*
*Erläuterung siehe Garantiebestimmungen

Revision

Nach Bedarf, mindestens:

  • Alle Elektrolytkondensatoren erneuern
  • Bedienelemente zerlegen und reinigen/versiegeln
  • Netzteil-Stabilisierung
  • auf Wunsch Nachrüstung Lautstärke-Fernbedienung

Eigenschaften

  • Gehäuse neu lackiert (Deckel/Bodenwanne/Seitenteile, nicht die eloxierte Frontplatte)
  • Phono MM/MC umschaltbar
  • 3 Line Eingänge
  • Tape Schleife
  • Passiv-Ausgang
  • blaues 50kOhm Alps-Potentiometer gegen Motor-Version mit 10kOhm getauscht, Fernbedien-Empfänger nachgerüstet
  • Beide Druckschalter neu, Quellwahlschalter ultraschallgereinigt und versiegelt
  • Vorstufe mit einzigartiger Minimal-Schaltung in MOSFET-Bestückung

Frontansicht

Billig ersteigert

...aber deshalb auch nicht preiswerter habe ich diese Vorstufe bei ebay bekommen. Doch so schön, wie sie jetzt wieder dasteht und hervorragend funktioniert, hat sie mich nicht erreicht. Was sich beim Ankauf sparen ließ, steckt nun als zusätzlicher Aufwand in Reparatur und Lackierung.

Die Rückseite ist nach der Neulackierung ohne Aufdruck, rechts neue Ausgangsbuchsen

die Eingangsbuchsen

das Gerät hat mit dem neuen Strukturlack eine rundum leicht rauhe, matte Oberfläche

Gekauft hatte ich das Gerät als defekt, ein Versuch, bei dem ich durchaus auch mehr Glück hätte haben können. Was ich bereits von mehreren Exemplaren kannte, war das hohe klangliche Potential und der Grundaufbau. Für ein konstruktives Problem, dass ich bei einem Kundengerät gefunden hatte, stand eine ausgereifte Lösung parat. Was ich nicht wusste, war halt der miserable Kauf-Zustand.

Eingangszustand der Rückseite

Bereits auf den ersten Blick war klar, dass das Gehäuse so nicht bleiben konnte, der Lack war an vielen Stellen des Deckels abgeplatzt, an der Bodenwanne gab es jede Menge Rost, wie auch an den meisten Schrauben und an der Verlängerungsachse des Quellwahlschalters.

Der Puffer-Verstärker im unbearbeitetem Zustand mit verrostetem Gehäuse

Rost von der Umschalter-Achse auf der Platine

Erst mal eine Standard-Revision

Zunächst wurde die Platine ausgebaut, weitläufig ab-bestückt, mit neuen Elektrolytkondensatoren versehen und gereinigt. Dann wurden die der demontierte Alps-Quellwahlschalter zerlegt, seine Pins nachgelötet, gereinigt, gefettet und neu montiert wieder eingebaut. Dann wurde der Signalpfad geprüft. Leider ließ ein Kanal des Phono-Entzerrers nichts durch. Mit Umstecken der 4-fach-MOSFETs war schnell klar, welches Quartett davon angeschlagen war.

Die Suche nach Ersatz zeigte, dass dieser Zetex-Quad-Typ so nicht mehr erhältlich war, wohl aber derselbe Typ als Einzel-Transistor. Sowie von diesen Einzel-Transistoren ein Schwung beschafft war, wurden einerseits die heilen Quartette, andererseits die Einzelexemplare auf Abschnürspannung und Steilheit vermessen. Das Ergebnis zeigte, dass die Streuung in meiner Charge Neuware deutlich geringer war, als in den fertig verbundenen Quartetten. Da ich auf Rauschmaß hin nicht ausmessen kann, habe ich in den Sockeln der Phono-Entzerrer zwei heile IC-Quartette stecken lassen und im Line-Buffer-Teil die Sockel entfernt und stattdessen je vier Einzeltransistoren eingelötet. Die Funktion war jetzt wieder komplett und einwandfrei.

Es folgte eine lange Zwangspause, bis das wieder hergestellte Gehäuse vom Lackierer zurück war. Fertig montiert gelang die Inbetriebnahme auf Anhieb.

Tückisches Netzteil

Ein eingangs erwähntes Detail der Überarbeitung habe ich noch ausgelassen. Ich hatte bei einer vorangehenden Revision leider ein kurz auftretendes und dann nicht mehr nachvollziehbares Phänomen unterschätzt bzw. erst mal überhaupt nicht zuordnen können: ein einmaliges kurzes, lautes Pfeifen nach dem Ausschalten. Da es aber weder vorher noch nachher irgendwelche Auffälligkeiten gab, fiel mir das kurze Geräusch erst wieder ein, als der Kunde die Woche drauf anrief. Im Zusammenhang mit Ein- oder Ausschalten hatte das Gerät anscheinend ein hinreichend lautes Hochton-Geräusch produziert, um die Hochtöner zu überlasten. Nachdem das Gerät wieder da war, habe ich erst mal nichts feststellen können, doch eine Versuchsreihe brachte irgendwann zutage, dass die Regelung der einzigen Versorgungsspannung sich gelegentlich provozieren ließ, eine Sägezahnschwingung mit mehreren Volt Pegel zu erzeugen, die kaum gedämpft am Buffer-Ausgang erschien.

Wieso das?

Um das erklären zu können, habe ich den Schaltplan der Regelung heraus analysiert. Da zeigte sich, dass bei der Konstruktion meinetwegen einiges an Empirie angewendet wurde, jedoch deutlich weniger als meine eigenen, nicht studierten Grundlagen - nur wäre hier auf jeden Fall mehr Wissen von Nöten gewesen.

Wesentlich vor allem: Die Oszillatorbedingung bei rückgekoppelten Systemen.
Betrachtet man den Plan, dann ist eine sehr hohe Regelverstärkung im Bereich des Operationsverstärkers anzunehmen. Die stabilisierende, rückwärts regelnde Gegenkopplung an PIN3 des IC4 wäre ohne weitere Beeinflussung durch Scheinwiderstände prinzipiell stabil. Das bliebe sie nach der Oszillatorbedingung auch bei hoher Regelverstärkung noch so lange, wie nicht mehr als ein Scheinwiderstand Einfluss nimmt. Dadurch darf sich die vormals genau gegenläufige Gegenkopplung nur um maximal 90° in der Phasenlage ändern und kann nicht zur Mitkopplung werden. Überschwingen, Nachschwingen - ja, aber keinesfalls Oszillation. Hier haben wir allerdings mehr Kondensatoren im Regelkreis. Bei meiner ursprünglichen Abschrift hatte ich nun C36 sogar noch fälschlicher Weise an Masse, statt an die zu regelnde Plus-Spannung "angeschlossen", da sah das das Schaltbild dann noch viel verkehrter und grundsätzlich instabil aus, ganz so schlimm ist es nach meinen letzten Erkenntnissen immerhin nicht. Doch selbst der korrekte Plan mit C36 als kompensierendem, die Phase zurück drehendes Element, kann offenbar schon in kritische Zustände geraten, je nach den Toleranzen der Bauteile und der Temperatur: Man sehe sich C3, C5 und C10 an, sofort wird klar, da wird drei Mal in eine Richtung gedreht, wobei nur bei C3/R51 sowie C36/R47 die Eckfrequenzen der Filter klar definiert sind - die beiden anderen Einsatzpunkte sind von den Innenwiderständen des Operationsverstärkers und der Speise-Quelle abhängig und können so je nach Temperatur der Halbleiter weit driften, ein zusätzliches, schwer kalkulierbares Risiko, C5 ist dabei nur der lokale Stütz-Elko, dem man sich auf dem gesamten Board etliche weitere Kondensatoren parallel geschaltet vorstellen muss. Dass es dann in einer 3A(-X) besonders dadurch gefährlich werden kann, weil die Regel-Verstärkung so hoch gewählt ist, drängt sich auf. Die Schaltung wird also nicht generell schwingen, doch sie ist konstruktiv viel zu knapp davor, in dem einen Fall war sie dann halt darüber.

Ich hatte erst überlegt, an den drei RC-Gliedern zu spielen, doch solche Umbauten sind aufwändig und hässlich. Da zudem mit dem Spannungsteiler R49/R50, der ursprünglich aus zwei 1kOhm-Widerständen bestand, der Regelhub des Operationsverstärkers mal gerade knapp um die 1,2V über Null schwankte, habe ich stattdessen die Kreisverstärkung um ca. 20dB verringert. Das ging auf einfachste Weise, indem ich den Basis-Vorwiderstand (R49) wie abgebildet auf 10kOhm erhöht habe. Nun liegt der OP-Ausgang schön in der Mitte seines Spannungshubs und wir sind weit weg von der gefährlichen Grenzbedingung.

Und siehe da: nun ist die Regelung unbedingt stabil und ich finde auch, dass sich diese bessere Stabilität in einem schnelleren Abklingen von Netzteil-Effekten, einem besseren "Regel-Abdruck" und letztlich einem entspannteren Klangbild niederschlägt.

oben im Bild der Ersatz eines MOSFET-Quads durch Einzel-Transistoren, darunter die einfache Lösung für ein Netzteil ohne Schwingneigung

Schaltplan des modifizierten Netzteils, zum Vergrößern Rechtsklick und "Grafik anzeigen"

Wäre doch schön wenn...

...man das Ganze auch noch ohne aufzustehen in der Lautstärke regeln könnte. Wenn man über Bedienkomfort bei Hifi diskutiert, dann erweisen sich für ein genussvolles Hören das meisten Gimmicks  als überflüssig, man muss weder permanent die Signalquelle ändern, noch laufend Spurwechsel oder Klanganpassungen machen, ganz im Gegenteil trägt das oft die Ruhe und die Konzentration hinaus. Der eine Zweifelsfall ist allerdings die Lautstärke, da ist es oft schön, doch mal ohne Aufstehen regeln zu können.

Nun habe ich mit dem Multifunktionsmodul für Symphonic Line Vor/Voll-Verstärker bereits ein funktionierendes Klein-Konzept zur Hand, um relativ flexibel vorhandene oder angelernte Infrarot-Geber zu nutzen, für einen Kunden hatte ich sodann eine miniaturisierte Anpassung für ein kleinen Röhren-Vorverstärker gemacht, wo die Forderungen waren: vorhandene Geber von Exposure und Rega (beides RC5-Code) sollten für die Lautstärke-Regelung funktionieren, möglichst keine ausladende Anbauten oder Zusatz-Netzteile. Also habe ich auf dem ersten Projekt basierend eine Fernbedien-Platine gemacht, die mit 6,3V Heizspannung zu versorgen war, ansonsten nur ein eingelötetes Infrarot-Empfänger-IC für die Eingabe und ein Motor-Potentiometer für die Ausführung der Befehle benötigte. Hat mal wieder auf Anhieb gut geklappt und ich hatte noch eine solche Platine übrig.

Diese Platine wollte ich dann in den 3A einbauen, da es hier hinter dem Potentiometer nach genügend Platz für einen Motor-Antrieb aussah. Und umgehend zeigten sich zwei Probleme:

  1. ich wollte nicht in die Frontplatte bohren, sondern das vorhandene LED-Fenster über dem Ein-Aus-Schalter  für den Infrarot-Empfang nutzen - doch alle fertig beschaffbaren, bedrahteten Infrarot-Empfänger ICs, wie ich sie bisher verwendet hatte, waren einerseits zu groß und hatten andererseits die Empfangsrichtung immer 90° zur Austrittsrichtung ihrer Anschluss-Beine, wodurch es unmöglich war ein solches IC von hinten in das enge, transparent-rote Kunststoff-Teil  zu stecken. Da musste etwas schmaleres her.
  2. Die einzige im 3A(-X) vorhandene Versorgungsspannung wird aus einer 30V-Wechselspannung gewonnen. Ohne Verwendung eines hochfrequent schaltenden Buck-Wandler-Netzteils würde man da meine Platine nicht ohne etwas Wärmeentwicklung anschließen können, die meisten angedachten fliegenden Lösungen hätten entweder hässlich ausgesehen, störende Nebenwirkungen erzeugt, wären nicht betriebssicher oder für die Prozessor- und Motorspannung nicht gut stabilisierend gewesen.

Also habe ich die Empfänger-Platine nochmals am PC umgemodelt und von der neuen Version ein paar Platinen bestellt. Die Änderungen sollten einerseits einen durch die Wahl der Bestückung in drei Schritten anpassbaren, extrem weiten Versorgungsspannungs-Bereich ermöglichen und andererseits auch die Verwendung eines reinen Infrarot-Vorverstärker-ICs zur Wahl zu stellen, das dann mit einer Infrarot-Empfänger-Diode kombiniert eine extrem kleine, schmale IR-Eingabe zulässt.

Leider gibt es infrarot-Vorverstärker-ICs heutzutage nur noch in extrem miniaturisierter Form zu kaufen, 8 unter dem 0,6mm starken IC liegende Anschlüsse bei einer Kantenlänge von gerade mal 2mm sind für eine Montage mit dem Lötkolben eine Herausforderung. Ich habe erst das vierte IC einwandfrei montiert bekommen, doch sind diese Teile immerhin nicht teuer. Diese Art der Hand-Bestückung ist für das Modul also nicht empfehlenswert, entweder lasse ich mir also bei Bedarf diese Platinen fertigen, oder vermeide diese Variante nach Möglichkeit. Im konkreten Fall ging es aber nicht anders und es funktioniert jetzt auch einwandfrei. 30V Wechselspannung zur Versorgung schluckt das Modul genauso einwandfrei, wie es auch mit einer 3mm-IR-Empfänger-Diode zusammen arbeitet, die ich mit einem kleinen Stück Pigtail-Koax-Kabel verbunden und neben die Betriebs-LED gesteckt habe.
Einzig die Reichweite ist etwas beschränkt, da der rote Kunststoff des LED-Fensters nicht für diese Aufgabe gemacht war und das Infrarot-Licht deutlich dämpft. Wollte man den Empfänger besser "sehen" lassen, müsste man wohl doch bohren - doch wie sähe das aus?! Vom "sweet spot" aus mit einem einigermaßen kräftig leuchtenden Geber sollte die Bedienung immerhin kein Problem darstellen, ich komme selber gut zurecht damit.

Wie bei jedem meiner Fernbedien-Empfänger ist übrigens ein ISP-Programmier-Stecker montiert, so dass man jederzeit den Prozessor auf andere Codes umstellen kann, alle Software dazu ist kostenlos und ein passender USB-Adapter zum "flashen" des Codes z.B. aus einem Eclispe-AVR-Projekt heraus lässt sich für um die 10€ bekommen, die freien Quellcodes findet man im Internet, wenn ich den entsprechenden Artikel veröffentlicht habe natürlich auch auf meiner Seite.

das Fernbedien-Empfänger-Modul

Das logarithmische 50kOhm-Potentiometer wollte ich ursprünglich durch gleichen Wert und die gleiche Bauart ersetzen, eben nur mit Motor. Beim Griff in die Kiste habe ich ein 10kOhm-Exemplar erwischt und das erst gemerkt, als es verlötet war. Kurze Überlegung, baut man das noch mal um? Nein - im Grunde ist das sogar deutlich besser, insbesondere, weil der Vorverstärker einen "passive"-Ausgang besitzt, der direkt am Schleifer des Reglers angeschlossen ist. Nun muss man dazu wissen, dass die Quellimpedanz für die nachfolgende Stufe und auch für das Endstufen-Verbindungskabel von der Schleiferstellung abhängt. Eine hinreichend niederohmige Quelle als (direkt geschaltete) Signal-Zuleitung voraus gesetzt, ist diese Impedanz an den beiden Regler-Enden nahe Null, in der (elektrischen - entspricht bei einem logarithmischen Regler nicht der mechanischen) Mittenstellung sind die beiden Reglerhälften als parallel geschalteter Innen/Quell-Widerstand zu betrachten. Ergibt für ein 50kOhm-Poti 25kOhm, bei einem 10kOhm-Regler aber logischer Weise auch nur ein Fünftel. Das wiederum verfünffacht die minimale obere Grenzfrequenz, die sich aus der Kabel-Kapazität und dieser Quellimpedanz ergibt. Ein wesentlicher Vorteil im Passiv-Modus, gerade bei hoch-kapazitiven-Kabeln. 10K Gesamt-Impedanz für die an den Eingangsbuchsen angeschlossenen Quellen ist ebenfalls zeitgemäß nicht zu niedrig, sofern nicht wieder aus einem "passiven" Ausgang oder einer extrem hochohmig ausgelegten Röhrenstufe (keine gute Konstruktion...) gespeist wird. Daher ist das "Versehen" natürlich drin geblieben, die Line-Eingangs-Impedanzen sind dadurch jetzt von der Quelle her betrachtet nahezu identisch mit einem von mir revidierten A1(-X).

Nachgerüstetes Motor-Potentiometer

Die Verstärker-Schaltung

Der 3A(-X) ist ganz offensichtlich mit demselben Hang zu den Prinzipien von Röhrenschaltungen gebaut, wie es die zugehörigen MA50(-X) Monos sind - jene sind wiederum die reinen Endstufen je eines A1(-X)-Vollverstärkers, durch Parallelschaltung etwas höher im Dämpfungsfaktor, doch im Grunde fast wie eine Push-Pull-Röhrenendstufe mit Anoden-Auskopplung funktionierend und klingend.

Beim 3A(-X) ist das sehr ähnlich und sehr dazu passend gemacht. Die Versorgung mag mit der Regelung (siehe oben) ein wenig zu sehr "auf die Tube gedrückt" haben, im Grunde sind aber auch hier bekannte und bewährte Prinzipien im Einsatz, die deutlich von den Konzepten einer Mehrheit von zeitgenössischen Hifi-Herstellern abweichen, nichtsdestoweniger aber gut funktionieren (können). Wie schon traditionell in der Phonoversorgung des A1 und einigen anderen Speisungen der MOSFET-basierten MF-Endstufen wird ganz anders als bei anderen auf eine extrem hochohmige Einspeisung über Stromquellen mit anschließender Parallel-Stabilisierung gesetzt, das ergibt eine hervorragende Stör-Entkopplung der Energieversorgung und ist prinzipiell Dauerkurzschluss-fest. Dicke Speise-Trafos sucht man hier vergebens und wenn man mal verstanden hat, dass für die Versorgung einer Audioschaltung nicht maßgeblich ist welchen (nach Kilogramm gehandelten) dicken Trafo der Betrachter, sondern welche Versorgungs-Quellimpedanz die Schaltung sieht, dann beginnt man einzusehen, dass auch hier kein "viel hilft viel" der brauchbare Maßstab ist.

Tatsächlich hat der 3A(-X) nur einen relativ kleinen, ausgelagerten M-Kern-Trafo und keine riesigen Lade- und Siebkapazitäten. Hier sind also keinerlei gewaltige "Schwungmassen" im Spiel, dafür allerdings auch keine ihrer bekannten Nebeneffekte. Insbesondere Ladestrom-Störungen muss man hier nicht fürchten, dies Ströme eskalieren hier nicht. Eigentlich geht es bei der nachfolgenden Stabilisierung dann nur darum, dass an der Spannung nichts wackelt und dass die Regelung selber nicht zu hörbaren Reaktionen neigt, wenn sie von Signalströmen durchlaufen wird. Mehr ist gar nicht gefordert - weniger aber auch nicht, genauer betrachtet ist das nämlich schwierig genug.

Von der Signalverstärker-Schaltung hatte ich in einem früheren Artikel mal gemutmaßt, die MOSFETs würden im Stil einer Röhrenschaltung verwendet, wahrscheinlich sogar in SRPP-Schaltung. Inzwischen habe ich mir die Schaltung noch mal angesehen und analysiert, zudem konnte ich ein paar Skizzen der Schaltung im Netz finden, die ich gelegentlich mal in eine brauchbare Form umzeichnen muss.

SRPP als Schaltungsprinzip hat sich dabei nicht bewahrheitet, die MOSFETs sind aber durchaus genau im Stil einer Trioden-Vorstufe angeordnet, sehr traditionell gemacht, die jeweiligen Ausgänge mit Kathodenfolgen... - Verzeihung: Source-Folgern niederohmig ausgeführt. Da die MOSFETs hier stets in der Mitte ihrer Kennlinien, also im Class-A-Bereich verwendet werden, ist von den MOSFET-Effekten verschiedener Endstufen nichts zu spüren, der Abschalt-Kennlinien-Knick dieser Bauelemente produziert unangenehmere Oberwellen als jedes andere Bauelement - nur werden sie hier ja nie abgeschaltet.

Daher unterschreibe ich nochmals: diese Vorstufe ist von der Auslegung und vom Klang her so nahe an einem Röhrengerät, wie es ohne Röhren eben geht.

Übersicht Innenleben

Beurteilung

Inzwischen steht das Gerät bei mir im Rack und musiziert zusammen mit meiner modifizierten Quad 405 äußerst ansprechend. Das war offenbar bereits vor Jahr und Tag bei einem meiner Kunden eine auffallend gute Kombination.

Was man für die Auswahl einer passenden Endstufe für die 3A(-X) generell beachten muss: die Vorstufe hat nur wenige aktive Bauelemente im Signalweg kann so unvermeidliches Rauschen nicht so umfassend per Gegenkopplung eliminieren, wie das z.B. mit Operationsverstärkern möglich wäre. Hat den großen Nachteil eines höheren Grund-Rauschpegels und den großen Vorteil, dass das Signal sich nicht in den Korrektur-Umläufen der Verstärkerstufen verheddert - um mal zu versinnbildlichen, was Verstärkerstufen machen, die durch heftige Gegenkopplung überwiegend mit sich selbst beschäftigt sind. Es gibt im Grunde nur zwei Auswege aus dem Dilemma der Gegenkopplung: entweder ein schnellerer Signaldurchlauf oder weniger Gegenkopplung, ansonsten verkürzt sich die Zeit der Korrektur-Umläufe nicht, die nach jedem Ereignis das nachfolgende Geschehen benachteiligen. Hier wurde zweiteres gewählt, was in der Kombination mit den zugehörigen Monoblöcken aber in keiner Weise rauschend auffällt.

Nun hatte mein oben genannter Kunden zunächst den Fehler gemacht, seine 3A(-X) statt mit den vorgesehenen MA50(-X)-Monos mit einer P140-Endstufe ebenfalls von Musical Fidelity zu kombinieren, die andere Produktlinie - und ganz offensichtlich nicht für diese Kombination gedacht. Erste Folge: kaum mehr Regelbereich für die Lautstärke und folglich auch eine Überbetonung der Potentiometer-Gleichlauf-Fehler am linken Anschlags-Ende. Zweiter Effekt: trotz nur mittleren Lautsprecher-Wirkungsgrads ein deutlich wahrnehmbares Rauschen. Die P140-Endstufe holt aus demselben Eingangssignal schlicht den zehnfachen Pegel wie die MA50(-X), stellt damit aber auch das Vorstufen-Rauschen um 20dB lauter in den Raum - und da wird es dann doch sehr hörbar.

Die Quad 405 ist zwar noch etwas lauter als die MA50(-X), aber weit weniger empfindlich als die P140. Nachdem ich das alles nachgerechnet und ihm dann meine erste Snook-modifizierte Quad405 zur Probe geliehen und schließlich verkauft hatte, war dort auch vom Rauschpegel her alles gut. Nebenbei ist die Quad405 in meinen Ohren sowieso und in jeder Variante eine weitaus bessere Endstufe als die P140, der bewusste Kunde kam wohl zum selben Ergebnis. In meinen Ohren ist die Quad405 mit der 3A(-X) ein Spitzen-Match, fast sogar besser kombiniert als die vorgesehenen MA50(-X)-Endstufen, weil sich deren Tendenzen eben nicht verstärken sondern ausgleichen. Zumindest greift die Quad bei bestimmten Lautsprechern einfach beherzter zu ohne wirklich unsauberer oder weniger plastisch zu wirken. Hier wie dort stellt die 3A(-X) ihre Zurückhaltung in Sachen Beschädigung komplexer Signalstrukturen zur Schau, sie mag wenig Höhen-betont daher kommen, doch da fehlen höchstens Störungen. Im Grunde ist alles da, auch wenn es weniger aggressiv als gewohnt spielt. Sehr entspannt und locker kommt sie daher, extreme Lagen wie höchstes Zischen und tiefstes Grollen in den Vordergrund zu stellen mag sie weniger, doch schafft sie es durch ihre Verdeckungsarmut auch aus dem Mitteltonbereich heraus eine plastische Raumvorstellung zu vermitteln. Ein Kandidat, mit dem ich wirklich Stunden lang ohne Stress auch laut hören kann und insofern schon den ganzen Aufwand und jeden Cent wert. Mit dem unsichtbar eingebauten "brauch ich nicht mehr aufstehen um lauter zu machen" ein wirklich rundes Paket für Freunde klassisch-britischer Ketten.