Vollverstärker

Harman Kardon HK1400 schwarz

komplett revidiert Preis 498,- €
3 Jahre Garantie*
*Erläuterung siehe Garantiebestimmungen

Einfach gestrickt...

...sind sie schon, die Modelle HK1200 und HK1400. Nachdem britische "no nonsense"-Konstruktionen den klassischen Japanern und Amerikanern in Puristen-Segment gezeigt hatten, das weniger auch mehr sein kann, hat man sich bei Harman Kardon auf die Schlichtheit und den formalen Minimalismus einzelner früherer Modelle wie der HK870-Endstufe besonnen und einen "einfachen" Verstärker auf dem Stand der Technik ins Leben gerufen.

Wobei am grundsätzlichen Aufbau gegenüber umfangreicher ausgestatteten Vorläufern gar nicht so viel geändert wurde, man hat nur "Firlefanz" weg gelassen. Frequenzgang-Beeinflussung wie Klangregler, schaltbare Loudness, Rausch- und Rumpel-Filter sucht man genau wie einen Balance-Regler vergeblich.

Leider gibt es auch keinen Phono-Anschluß, Anfang der 90er war das sogar bei vielen Briten außer Mode.

oben: Übersicht
unten: das "große" Alps-Potentiometer


Mehr als bei den meisten Insel-Puristen wurde hier in den Lautstärke-Regler gesteckt, das "große" Alps-Potentiometer ist wirklich teuer.

Weniger investiert wurde beim Netztrafo und dem Platinen-Material, beim letzten wurde einerseits nur Hartpappe verwendet, insbesondere aber auch sehr schlecht gelötet. Das Basis-Material ist nicht so wesentlich für Klang und Funktion, die miese Tauch- oder Wellen-Lötung allerdings führt zu Ausfällen, im ursprünglichen Neu-Zustand der einzige echte Schwachpunkt des Geräts.

ausgebautes Endstufen-Modul, teilweise fertig gestellt

Im Laufe der Zeit hatte ich bei ebay drei solche Geräte "eingesammelt", zwei davon mit vorangegangenen Reparatur-Versuchen von Dilettanten. Einer davon hatte "rechtzeitig" aufgehört und den Schaden nicht wesentlich vergrößert, der andere hat es noch mit gefälschten Endtransistoren probiert und die Platine letztlich in einem teilweise ab-bestückten, erbärmlichen Zustand hinterlassen.

Der Ausfall beruhte bei allen drei auf locker gewordenen Lötstellen, das dritte unbearbeitet gelassene Defekt-Gerät hatte nur den Ursprungsfehler und erforderte entsprechend nur einen Bruchteil an Zeitaufwand für die Endstufen-Reparatur.

Alle Endstufen-Platinen wurden sorgfältig überarbeitet, wo nötig ausgebessert und verstärkt und nach Ersatz der defekten Bauteile flächendeckend nachgelötet, also die miserable Industrie-Lötung durch eine sorgfältige Handlötung ersetzt, da wird nichts mehr locker, insbesondere nicht (wie ursprünglich) in absehbarer Betriebszeit.

Industrie-Lötung - hält Hand-verstärkt wesentlich besser

Nach der Erfahrung, mal auf ein Mal drei Exemplare dieses Typs bearbeitet zu haben, kann ich die Angaben von Hifi-Zeile zu diesem Typ nur unterschreiben: es waren durchgehend und ausschließlich die Lötstellen, die meine drei Geräte außer Gefecht gesetzt haben. Und dort wie bei mir wird das Problem durch gründliches Nachlöten dauerhaft beseitigt. Nur dass ich bei meinen Geräten dann noch einen Schritt weiter gegangen bin und auch noch sämtliche Elektrolyt-Kondensatoren erneuert habe - wo ich die Platinen doch ohnehin schon in der Hand hatte. Insbesondere darum fällt mein Verkaufspreis auch etwas höher aus, dafür entspricht meine Version auch einem Neugerät - beziehungsweise übertrifft den Neuzustand.

ON-Semi Marken-Transistoren vom Feinsten - die grünen Elkos sind noch original, der inzwischen eingebaute Ersatz war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits bestellt

Das am meisten verbastelte Gerät hat einen kompletten Satz neue ON-Semi-Qualitäts-Transistoren erhalten (und dazu neue Treiber), die beiden Leistungs-Transistoren aus dem unbeschädigten Kanal haben das nächste Gerät zu einem kompletten Satz Original-Transistoren ergänzt. Und den dritten HK1400 konnte ich mit einen gebrauchten Pärchen Original-Transistoren aus meinem Lager-Bestand vervollständigen. 

zwei der Schalter im zerlegten Zustand, die Kontakte sind bereits poliert

Letztlich wurden die Vorstufen überarbeitet, die zerlegten Schalter und Potentiometer innen poliert und versiegelt.

Klangliche Beurteilung

Der HK1400 ist breit und breitbandig aufgestellt. Aufgrund des nicht so gewaltigen Netzteils und der schlichten Auslegung der Endstufe mit Bipolar-Transistoren ohne eine (i.d.R. auch problematische) die Strom-Belasbarkeit erhöhende Parallel-Schaltung, ist er zwar nicht die erste Wahl für extrem fordernde Wandler, doch stehen dem die Vorteile geringer innerer räumlicher Signal-Verteilung gegenüber. Solche Verstärker-Auslegungs-Fragen ähnelt dem Konflikt zwischen mächtigen Flächen-Lautsprechern und eleganten Punkt-Strahlern, hier haben wir die (zudem bezahlbare) kleinere Lösung. Wie bei den meisten Briten fühlt er sich zumindest im Bezug auf den erreichbaren Pegel und "headroom" erst ab mittleren Wirkungsgraden wohl und bevorzugt auch Impedanzen oberhalb 4Ohm. Wenn ich dabei jetzt behaupte, er klingt mir nicht übertrieben "mächtig", dann relativiert sich das allerdings sofort, wenn man meinetwegen mit einem mit einem NAD 3020 oder einem Musical Fidelity A1 vergleicht, der NAD ist in meinen Ohren "weich" an welchem Lautsprecher auch immer, der (alte) A1 packt nur an ein paar handverlesenen Wandlern richtig zu. Der kleine Harman hier ist da weit vielseitiger und hat bereits an der Mehrzahl der Wandler eine gewisse "Führungs-Stärke".
Die Auslegung der Schaltung selbst ist ein wenig Geschmackssache, für mich tendiert er ein wenig Richtung "feiner" und "Detail-versessener", das ist aber nur eine kleine Verschiebung Richtung Analyse, viel von dieser leichten Grund-Tendenz ist durch die Revision auch bereits korrigiert bzw. wird sich auch mit dem Einspielen der neuen Elkos noch legen.

Empfehlen würde ich ihn besonders zur Ergänzung solcher Komponenten, die etwas in die andere Richtung übertreiben - nehmen wir z.B. 3-Wege Infinity Lautsprecher der 80er-Jahre, mit ihren Kalotten-Mitteltönern, oder meinetwegen diverse Dynaudio- oder Cabasse-Konstruktionen - dazu passt so ein kleiner Puristen-Harman meiner Meinung nach wie die Faust auf's Auge, noch mehr zusammen mit frühen CD-Spielern von Philips, Harman, Hitachi oder Nakamichi...

Und was (s.o.) auf jeden Fall bei der Auslegung des HK1200/1400 besser zutrifft als bei den meisten kleinen Briten-Puristen: mindestens technisch deckt er ein so breites Spektrum an Wandlern ab, dass man ohne viel Herum-Probieren hiermit im Durchschnitt einfach klanglich bessere Ergebnisse erzielen wird, als mit den meisten Spezialisten. Ähnlich wie z.B der Audiolab 8000a erreicht man zwar nicht unbedingt mit einem "Super-Match" den Gipfel des Olymp, doch kommt man so gut wie immer in ordentliche Höhen - ein Exposure XV dagegen oder gar ein Musical Fidelity A1 überflügelt den Harman am richtigen Wandler um Klassen - doch wehe wenn man den nicht hat, dann bleiben solche handwerklich ausgetüftelten Konstruktionen sogar deutlich hinter diesem schlichten Industrie-Verstärker zurück.

Der HK1400 ist also vor allem etwas für denjenigen, der seine gewohnten Lautsprecher behalten will, keinen Plattenspieler (oder einen mit in/ex-ternem Preamp) besitzt und sich bisher mit billigen Japan-Verstärkern herum gequält hat. Hiermit einen verschlissenen 500-DM Onkyo, Denon oder Sony-XY (und wie sie alle heißen...) ersetzen und sich dazu am besten noch eine ordentliche Quelle besorgen, ist ein einfacher, bezahlbarer und nachhaltiger Schritt in Richtung "schmerzfrei Hören".